Man muss sich immer das Schwierige vornehmen, denn das ist der einzige Weg, um zu sich selbst zu finden und seine eigene Kraft zu spüren.
Wenn man keine Ideen hat, muss man den Mut haben, sie zu erfinden, denn das Schicksal eines Volkes hängt oft von der Entschlossenheit ab, mit der man seine Ambitionen verfolgt.
Hintergrund & Bedeutung
Charles de Gaulle verfasste diese Zeilen in seinem Spätwerk „Mémoires d'espoir“ (Memoiren der Hoffnung), das 1970 erschien. Nach seinem Rücktritt als französischer Staatspräsident im Jahr 1969 zog er sich nach Colombey-les-Deux-Églises zurück, um die Ära der Fünften Republik und den Wiederaufbau Frankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg literarisch aufzuarbeiten. Das Zitat reflektiert seine Erfahrungen als Staatsmann, der das Land durch tiefe Krisen wie die Dekolonisierung und den Algerienkrieg führte. In einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs sah de Gaulle die Notwendigkeit, über das rein Verwalterische hinauszugehen und eine visionäre Führung zu etablieren, die auch in Momenten der Ratlosigkeit schöpferisch tätig wird.
Die Aussage unterstreicht de Gaulles Überzeugung vom „Primat des Willens“ in der Politik. Er vertrat die Ansicht, dass nationale Größe nicht passiv empfangen, sondern durch aktives Handeln und intellektuelle Kreativität erzwungen werden muss. Wenn konventionelle Lösungen versagen, fordert er den Mut zur politischen Innovation. Für de Gaulle war die Geschichte kein festgeschriebener Pfad, sondern ein gestaltbarer Raum, in dem die Entschlossenheit eines Anführers und die Ambition einer Nation untrennbar miteinander verwoben sind. Es ist ein Plädoyer gegen den Defätismus und für eine proaktive Gestaltung des nationalen Schicksals.
Heute wird der Ausspruch häufig herangezogen, um in Zeiten politischer oder wirtschaftlicher Stagnation zu visionärem Denken aufzurufen. Er findet Verwendung in staatsphilosophischen Diskursen über Führungskultur sowie in Management-Seminaren, die den Mut zur Disruption thematisieren. In der französischen Öffentlichkeit dient das Zitat oft als Mahnung an die politische Klasse, sich nicht im Technokratischen zu verlieren, sondern den „Gaullismus“ als Prinzip der ständigen Erneuerung und des unbedingten Gestaltungswillens zu begreifen.
