Ich habe mich immer als einen Menschen gesehen, der seinen eigenen Weg geht, auch wenn das bedeutet, dass man manchmal gegen den Strom schwimmen muss, um sich selbst treu zu…
Das ist das Schicksal eines Spielers, der sich für etwas Besonderes hält, dass er dann auch die Konsequenzen tragen muss, wenn es mal nicht so läuft.
Hintergrund & Bedeutung
Günter Netzer reflektiert in seiner 2004 erschienenen Autobiografie 'Aus der Tiefe des Raumes' über seine Karriere als einer der exzentrischsten Regisseure des deutschen Fußballs. Das Zitat entstand im Rückblick auf eine Ära, in der Netzer nicht nur durch sportliche Genialität, sondern auch durch ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, schnelle Autos und eine bewusste Abkehr von der damals üblichen Bescheidenheit auffiel. Es beschreibt die Kehrseite seines Status als Ikone der 1970er Jahre, in der er den Typus des modernen, individualistischen Profis verkörperte, der sich den starren Hierarchien widersetzte.Die Kernbotschaft liegt in der untrennbaren Verbindung von Privileg und Verantwortung. Netzer vertritt die Ansicht, dass Individualismus im Leistungssport kein Freifahrtschein ist, sondern eine Bringschuld impliziert. Wer für sich beansprucht, außerhalb der Norm zu stehen und eine Sonderrolle einzunehmen, darf bei Misserfolgen nicht auf das Kollektiv oder äußere Umstände verweisen. Diese Haltung zeugt von einer fast schon stoischen Akzeptanz des Scheiterns als notwendigem Korrektiv zur eigenen Arroganz oder Brillanz. Heute wird die Aussage oft zitiert, um die moralische Integrität von Führungspersönlichkeiten oder Stars einzufordern. In einer Zeit, in der Verantwortung im Profisport oft an Berater oder PR-Abteilungen delegiert wird, dient Netzers Satz als Mahnung zur persönlichen Haftung für den eigenen Anspruch. Er findet Anwendung in Management-Seminaren und Sportjournalismus gleichermaßen, wenn es darum geht, die Balance zwischen Selbstinszenierung und der Pflicht zur Leistung zu thematisieren.
