Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten lässt sich immer noch regieren. Bei schlechten Beamten aber helfen die besten Gesetze nichts.
Das Leben ist wie ein geschicktes Zahnausziehen. Man denkt immer, das Eigentliche solle erst kommen, und mit einem Male sieht man, dass alles vorbei ist.
Hintergrund & Bedeutung
Otto von Bismarck, der als „Eiserner Kanzler“ die deutsche Reichsgründung maßgeblich vorantrieb, äußerte diesen melancholischen Vergleich vermutlich in seinen späteren Lebensjahren. Obgleich eine exakte schriftliche Quelle in seinen Reden fehlt, passt die Sentenz zur resignativen Stimmung nach seiner Entlassung durch Wilhelm II. im Jahr 1890. In seinem Ruhestand auf Schloss Friedrichsruh blickte Bismarck oft mit einer Mischung aus Scharfsinn und Bitterkeit auf sein Lebenswerk und die Vergänglichkeit der Macht zurück. Die Metapher des Zahnausziehens spiegelt dabei die schmerzhafte, aber unaufhaltsame Natur des Zeitverlaufs wider, die selbst einen strategischen Realpolitiker wie ihn betraf.
Die Kernidee des Zitats liegt in der menschlichen Neigung, das Leben als eine bloße Vorbereitung auf ein unbestimmtes, bedeutenderes Ereignis in der Zukunft zu betrachten. Bismarck entlarvt diese Erwartungshaltung als Illusion: Während man darauf wartet, dass das „eigentliche“ Leben beginnt, vollzieht sich das Dasein bereits in kleinen, oft unangenehmen Schritten. In Bismarcks Denken, das stark vom preußischen Pflichtgefühl und einem tiefen Realismus geprägt war, schwingt hier die Erkenntnis mit, dass das Schicksal sich nicht nach den großen Plänen des Einzelnen richtet, sondern sich meist unbemerkt vollendet.
Heute wird dieser Ausspruch vor allem als zeitlose Reflexion über die Prokrastination und die Endlichkeit zitiert. Er findet Verwendung in der psychologischen Literatur sowie in philosophischen Abhandlungen über das Zeitbewusstsein. Die Popularität des Zitats speist sich aus dem Kontrast zwischen der harten politischen Figur Bismarcks und dieser fast schon existenziellen Verletzlichkeit. Es dient in der Alltagskultur oft als Mahnung, den gegenwärtigen Moment nicht als bloßes Provisorium zu missverstehen, da die Summe der flüchtigen Augenblicke bereits das gesamte Leben darstellt.
