Demokratie ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann besitzt, sondern sie ist eine Praxis, eine ständige Anstrengung, die immer wieder neu erlernt und verteidigt werden muss.
Publizistin und Philosophin Gegen den Hass, 2016
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Hintergrund & Bedeutung

Carolin Emcke veröffentlichte diesen Gedanken im Jahr 2016 in ihrem vielbeachteten Essay „Gegen den Hass“. Das Werk entstand in einer Phase, die von einem erstarkenden Rechtspopulismus, der sogenannten Flüchtlingskrise und einer zunehmenden Polarisierung innerhalb der westlichen Gesellschaften geprägt war. Als Reaktion auf die Radikalisierung des öffentlichen Diskurses und die Zunahme von Hassrede suchte Emcke nach einer philosophischen Begründung für die Wehrhaftigkeit der offenen Gesellschaft. Die Ernennung zur Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels im selben Jahr unterstrich die Dringlichkeit ihrer Analysen zur Gefährdung demokratischer Grundwerte.

Die Aussage bricht mit der Vorstellung von Demokratie als einer statischen Institution oder einem gesicherten Erbe. Emcke versteht das politische System stattdessen als einen dynamischen Prozess, der von der aktiven Teilhabe und der moralischen Wachsamkeit der Bürger abhängt. Kern ihrer Überzeugung ist, dass Freiheit und Pluralismus keine Selbstläufer sind, sondern durch tägliche zivilgesellschaftliche Praxis und den Mut zum Widerspruch gegen Ausgrenzung erst lebendig gehalten werden müssen. Demokratie wird hier als eine Form der kollektiven Arbeit definiert, die Erschöpfung und Rückschritte kennt, aber gerade deshalb stetige Erneuerung verlangt.

In aktuellen Debatten über den Schutz des Rechtsstaats und den Umgang mit Extremismus fungiert das Zitat als Mahnung gegen politische Apathie. Es findet regelmäßig Verwendung in politischen Reden, Bildungsprogrammen und zivilgesellschaftlichen Kampagnen, um das Bewusstsein für die Fragilität freiheitlicher Ordnungen zu schärfen. Da es die Verantwortung des Einzelnen betont, ohne in Pathos zu verfallen, dient es heute als intellektuelles Fundament für Bewegungen, die sich gegen die Normalisierung von Hass und für eine inklusive Diskurskultur einsetzen.

Carolin Emcke

Publizistin und Philosophin · Deutsch

Carolin Emcke ist eine renommierte deutsche Publizistin, Philosophin und Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, die für ihre Analysen von Gewalt, Ausgrenzung und den Mechanismen des Hasses bekannt ist.

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