Die Bildung der fünf Sinne ist eine Arbeit der ganzen bisherigen Weltgeschichte.
Die Geschichte ist nichts als die Aufeinanderfolge der einzelnen Generationen, von denen jede die ihr von allen vorhergehenden überlieferten Materialien, Kapitalien, Produktivkräfte ausbeutet.
Hintergrund & Bedeutung
Karl Marx verfasste die Schrift 'Die deutsche Ideologie' gemeinsam mit Friedrich Engels zwischen 1845 und 1846 während seines Exils in Brüssel. In dieser Phase des intellektuellen Umbruchs distanzierten sich die Autoren radikal vom spekulativen Idealismus Hegels und der Junghegelianer. Das Werk markiert den Übergang zum historischen Materialismus, in dem Marx versuchte, die menschliche Geschichte nicht länger als Produkt abstrakter Ideen, sondern als Resultat handfester materieller Bedingungen und ökonomischer Prozesse zu begreifen. Die gesellschaftlichen Umbrüche der beginnenden Industrialisierung bildeten dabei den realen Hintergrund seiner Analysen.
Die Aussage verdeutlicht das marxistische Verständnis von Geschichtlichkeit als einem kumulativen Prozess. Jede Generation findet bereits bestehende Produktionsmittel und Kapitalien vor, die das Resultat der Arbeit ihrer Vorfahren sind. Der Fortschritt ist somit kein Zufall, sondern die stetige Aneignung und Weiterentwicklung dieser materiellen Basis. Marx bricht hier mit der Vorstellung von Helden oder großen Geistern als Motoren der Historie; stattdessen rücken die Produktivkräfte und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Verhältnisse in das Zentrum. Geschichte wird als eine Kette von Transformationen begriffen, in der das Erbe der Vergangenheit die Spielräume der Gegenwart determiniert.
Heutzutage wird diese Passage oft herangezogen, um die Kontinuität sozioökonomischer Strukturen zu erklären. In der modernen Philosophie und Soziologie dient sie als Grundlage für Debatten über Generationengerechtigkeit und die Pfadabhängigkeit ökonomischer Systeme. Auch in ökologischen Diskursen findet der Gedanke Anklang, da er die Verantwortung einer Generation für die materiellen Hinterlassenschaften betont, die sie der nächsten übermittelt. Das Zitat bleibt ein Schlüsseltext, um die enge Verflechtung von Tradition, Kapital und technologischem Fortschritt kritisch zu hinterfragen.
