Die höchste Aufgabe der Bildung ist, sich selbst zu besitzen.
Dichter, Philosoph Fragmente (Blüthenstaub), 1798
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Hintergrund & Bedeutung

Novalis verfasste diesen programmatischen Aphorismus im Jahr 1798 als Teil seiner Fragmentensammlung „Blüthenstaub“, die in der Zeitschrift „Athenaeum“ der Brüder Schlegel erschien. In dieser Phase des Umbruchs zwischen Aufklärung und Romantik suchte der junge Dichter nach einer neuen Verbindung von Subjektivität und Welt. Die Entstehung fällt in eine Zeit intensiver philosophischer Auseinandersetzung mit den Schriften Fichtes, dessen Ich-Philosophie Novalis maßgeblich beeinflusste und ihn zur Formulierung einer radikalen Selbstbestimmung des Individuums anregte.

Inhaltlich zielt die Forderung, sich selbst zu besitzen, auf die vollständige geistige Autonomie und Selbstbeherrschung ab. Novalis versteht Bildung nicht als bloße Anhäufung von Wissen, sondern als einen aktiven Prozess der Selbstwerdung, bei dem der Mensch zum „Herrn seines eigenen Ichs“ wird. Dies bedeutet die Harmonisierung von Vernunft, Gefühl und Wille, um die eigene Existenz als ein bewusst gestaltetes Kunstwerk zu begreifen. In seinem Denken ist diese Selbstbemächtigung die Voraussetzung dafür, die Welt poetisch zu verwandeln und die Trennung zwischen Geist und Materie aufzuheben.

Heute wird der Gedanke vor allem in pädagogischen und psychologischen Diskursen rezipiert, die den Fokus auf Resilienz und Selbstwirksamkeit legen. In einer Welt der ständigen äußeren Ablenkung und digitalen Fremdbestimmung dient das Zitat als Mahnung zur inneren Einkehr und zur Wahrung der eigenen Identität. Es findet sich daher häufig in der Ratgeberliteratur sowie in bildungsphilosophischen Debatten wieder, wenn es darum geht, den Wert der Persönlichkeitsentwicklung gegenüber rein zweckorientierter Ausbildung zu betonen.

Novalis

Dichter, Philosoph · Deutsch

Novalis, bürgerlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, war ein einflussreicher deutscher Dichter und Philosoph der Frühromantik, bekannt für seine Lyrik und die Erfindung der 'Blauen Blume' als Symbol der Sehnsucht.

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