Die Menschen sind wie die Wanderer, die, wenn sie in einem unbekannten Lande sind, sich nach dem Wege erkundigen, um zu dem Orte zu gelangen, den sie erreichen wollen.
Universalgelehrter Gottfried Wilhelm Leibniz, Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand, 1765
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Hintergrund & Bedeutung

Gottfried Wilhelm Leibniz verfasste die 'Neuen Abhandlungen über den menschlichen Verstand' als direkte Replik auf John Lockes empiristisches Hauptwerk. Obwohl das Manuskript bereits um 1704 fertiggestellt wurde, verzögerte Leibniz die Veröffentlichung nach Lockes Tod aus Respekt und die Schrift erschien erst posthum im Jahr 1765. In dieser Ära der Aufklärung rangen Denker um die Frage, ob Erkenntnis rein aus Erfahrung stammt oder ob der menschliche Geist über angeborene Strukturen verfügt. Leibniz nutzte das Werk, um seine rationalistische Weltsicht zu verteidigen und die aktive Rolle der Vernunft bei der Strukturierung von Sinneswahrnehmungen hervorzuheben.

Das Bild der Wanderer illustriert Leibniz' Überzeugung, dass das menschliche Streben nach Erkenntnis und Glück eine zielgerichtete Bewegung darstellt. Es verdeutlicht, dass der Mensch nicht passiv auf Reize reagiert, sondern aktiv nach Orientierung sucht, um seine Bestimmung zu finden. In seinem philosophischen System der Monadenlehre ist jede Seele ein Spiegel des Universums, der sich zur Vollkommenheit hin entwickelt. Die Suche nach dem Weg symbolisiert dabei den methodischen Einsatz der Vernunft, um in der Komplexität der Welt wahre Erkenntnisse von bloßen Meinungen zu unterscheiden und moralische sowie intellektuelle Klarheit zu erlangen.

In der heutigen Rezeption dient der Vergleich oft als zeitlose Metapher für lebenslanges Lernen und die menschliche Neugier. Er wird in pädagogischen und philosophischen Diskursen herangezogen, um die Notwendigkeit von Mentorenschaft und methodischer Anleitung zu betonen. Da Leibniz als einer der letzten Universalgelehrten gilt, wird das Zitat häufig zitiert, wenn es um die Verknüpfung von Wissen und Handeln geht. Es findet sich in der Ratgeberliteratur ebenso wie in akademischen Abhandlungen über die Erkenntnistheorie, da es die existenzielle Suche nach Sinn in einer zunehmend unübersichtlichen Welt treffend zusammenfasst.

Gottfried Wilhelm Leibniz

Universalgelehrter · Deutsch

Gottfried Wilhelm Leibniz war ein deutscher Universalgelehrter, Philosoph und Mathematiker, der unabhängig von Newton die Infinitesimalrechnung entwickelte und als einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung gilt.

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