Die Gegenwart ist das einzige, was kein Ende hat.
Die wissenschaftliche Weltanschauung ist eine sehr nützliche Sache, aber sie ist nicht die einzige, die wir brauchen, um unser Leben zu führen.
Hintergrund & Bedeutung
Erwin Schrödinger verfasste die Essaysammlung „Mein Weltbild“ gegen Ende seines Lebens, wobei das Werk 1961 posthum erschien. Es bündelt Überlegungen, die er über Jahrzehnte hinweg, insbesondere nach seiner Rückkehr nach Wien im Jahr 1956, vertiefte. In einer Ära, die durch den rasanten technologischen Fortschritt und die Dominanz des logischen Positivismus geprägt war, suchte der Nobelpreisträger nach einer Synthese zwischen Naturwissenschaft und Metaphysik. Seine Erfahrungen mit den moralischen Abgründen des Zweiten Weltkriegs und der Zerstörungskraft der modernen Physik verstärkten sein Bedürfnis, die Grenzen der rein empirischen Forschung aufzuzeigen.Die Aussage reflektiert Schrödingers Überzeugung, dass die Wissenschaft zwar objektive Fakten liefert, aber unfähig ist, Fragen nach Sinn, Ethik oder Schönheit zu beantworten. Er plädierte für eine ganzheitliche Sichtweise, die stark von der indischen Vedanta-Philosophie beeinflusst war. Für ihn war die Weltanschauung der Physik unvollständig, da sie das subjektive Erleben des Geistes ausklammert. Er mahnte an, dass ein rein rationalistisches Weltbild zu einer inneren Verarmung führt, da die wesentlichen Richtlinien für das menschliche Handeln und Zusammenleben außerhalb der mathematischen Formeln liegen.Heute dient der Text als wichtiges Korrektiv in Debatten über Szientismus und künstliche Intelligenz. Er wird häufig in der Wissenschaftsphilosophie herangezogen, um die Notwendigkeit interdisziplinärer Ansätze zu betonen. In einer Zeit, in der Daten und Algorithmen zunehmend Lebensentscheidungen dominieren, mahnt Schrödingers Gedanke zur Rückbesinnung auf menschliche Intuition und ethische Werte. Das Zitat findet sich daher regelmäßig in Diskursen über das Verhältnis von Religion und Wissenschaft sowie in der populärwissenschaftlichen Literatur, die eine Brücke zwischen Verstand und Gefühl schlagen möchte.
