Die Aufgabe des Geistes ist es, in dem, was wir sehen, das zu finden, was noch niemand gesehen hat, obwohl es jeder vor Augen hat.
Es gibt eine Wissenschaft, die sich mit der Welt befasst, aber es gibt keine Wissenschaft, die sich mit dem Bewusstsein befasst, weil das Bewusstsein nicht aus der Welt abgeleitet werden kann.
Hintergrund & Bedeutung
Erwin Schrödinger verfasste die Essaysammlung „Meine Weltansicht“ im Jahr 1960, kurz vor seinem Tod, wobei er auf Aufzeichnungen zurückgriff, die bis in das Jahr 1925 zurückreichten. In einer Zeit, in der die Quantenmechanik das physikalische Weltbild revolutionierte, suchte Schrödinger nach einer philosophischen Klammer für die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Er war stark von der indischen Vedanta-Philosophie und Schopenhauer geprägt, was ihn dazu veranlasste, die rein materialistische Naturwissenschaft seiner Epoche kritisch zu hinterfragen und nach einer Einheit von Geist und Materie zu suchen.Die Kernaussage richtet sich gegen den Reduktionismus, der versucht, das Erleben allein durch physikalische Prozesse zu erklären. Schrödinger vertrat die Ansicht, dass das Bewusstsein die Bühne ist, auf der sich die Welt überhaupt erst manifestiert, und somit als fundamentale Gegebenheit nicht durch die von ihm selbst geschaffenen wissenschaftlichen Modelle begründet werden kann. Er postuliert eine erkenntnistheoretische Grenze: Da die Wissenschaft auf Objektivierung beruht, muss sie das Subjektive – das Bewusstsein – notwendigerweise ausklammern, weshalb eine „Wissenschaft des Bewusstseins“ in seinen Augen ein logischer Widerspruch bleibt.In der heutigen Debatte um das „harte Problem“ des Bewusstseins in der Neurobiologie und Philosophie des Geistes erfährt dieser Gedanke eine Renaissance. Das Zitat wird häufig herangezogen, um die Grenzen der Künstlichen Intelligenz aufzuzeigen oder um in der modernen Physik auf die Rolle des Beobachters hinzuweisen. Es dient als Standardreferenz für Positionen, die den Panpsychismus oder nicht-duale Weltbilder vertreten, und mahnt zur intellektuellen Bescheidenheit gegenüber den subjektiven Qualitäten der menschlichen Existenz.
