Es gibt im Menschen mehr zu bewundern als zu verachten.
Es gibt kein Glück ohne ein wenig Wohlwollen, und man kann nicht glücklich sein, wenn man sich nicht selbst achtet.
Hintergrund & Bedeutung
Albert Camus hielt seine Gedanken oft in seinen 'Carnets' fest, jenen Tagebüchern, die zwischen 1935 und seinem Tod 1960 entstanden. Die Reflexion über das Glück und die Selbstachtung fällt in eine Zeit, in der Camus sich intensiv mit der Absurdität des Daseins und der moralischen Verantwortung des Einzelnen auseinandersetzte. Geprägt durch die Krisen des 20. Jahrhunderts, suchte er nach einer Ethik, die ohne religiöse Dogmen auskommt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Das Streben nach Glück war für ihn kein egoistischer Akt, sondern eng mit der Integrität der eigenen Person verknüpft. Die Aussage betont, dass wahre Zufriedenheit eine moralische Basis benötigt. Wohlwollen gegenüber anderen und die Achtung vor sich selbst sind keine optionalen Begleiterscheinungen, sondern konstitutive Bedingungen für ein gelingendes Leben. Im philosophischen System von Camus, insbesondere im Kontext des Absurdismus, bedeutet Selbstachtung, trotz der Sinnlosigkeit der Welt an den eigenen Werten festzuhalten und nicht in Nihilismus zu verfallen. Glück wird hier als ein aktiver Zustand der Übereinstimmung mit dem eigenen Gewissen verstanden. Heute wird dieser Gedanke häufig in der existenziellen Psychologie und der modernen Lebensphilosophie rezipiert. Er dient als Gegenentwurf zu einem rein materiellen oder hedonistischen Glücksbegriff. In der Literatur und im öffentlichen Diskurs wird Camus’ Mahnung zitiert, um die Bedeutung von Empathie und Selbstwertgefühl in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft hervorzuheben. Die zeitlose Relevanz liegt in der Verbindung von individuellem Wohlergehen und zwischenmenschlicher Ethik.
