Es gibt Menschen, die sich für unersetzlich halten, und es gibt Menschen, die tatsächlich unersetzlich sind. Beide Gruppen sind sich in ihrer Selbstüberschätzung oft sehr ähnlich.
Humorist und Regisseur Loriot, Gesammelte Prosa, Diogenes Verlag 2006
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Hintergrund & Bedeutung

Bernhard-Viktor von Bülow, besser bekannt als Loriot, verfasste diese Zeilen als Teil seiner scharfzüngigen Beobachtungen über die deutsche bürgerliche Gesellschaft der Nachkriegszeit. In seinen gesammelten Prosawerken, die über Jahrzehnte entstanden, reflektierte er immer wieder die Diskrepanz zwischen öffentlicher Fassade und privater Unzulänglichkeit. Das Zitat entspringt einer Ära, in der das Wirtschaftswunder und der damit verbundene soziale Aufstieg den Typus des pflichtbewussten, sich selbst enorm wichtig nehmenden Funktionsträgers hervorbrachten. Loriot beobachtete diesen Menschenschlag mit einer Mischung aus preußischer Disziplin und humoristischer Distanz.

Die Aussage spielt virtuos mit dem Paradoxon der Unersetzlichkeit. Während der erste Teil des Satzes noch wie eine herkömmliche moralische Unterscheidung zwischen Hochmut und echtem Wert klingt, dekonstruiert der zweite Teil beide Kategorien gleichermaßen. Loriots Kernidee ist die universelle menschliche Eitelkeit: Selbst jene, die objektiv Außergewöhnliches leisten, sind vor der komischen Falle der Selbstüberschätzung nicht gefeit. Dies spiegelt sein gesamtes Werk wider, in dem er zeigt, dass Würde stets eine prekäre Konstruktion ist, die im Angesicht der menschlichen Natur zwangsläufig ins Wanken gerät.

Heute wird der Aphorismus besonders häufig im beruflichen Kontext und in der Managementliteratur zitiert, um vor Hybris und dem Burnout-Syndrom zu warnen. Er hat über die Literatur hinaus Eingang in den allgemeinen Zitatenschatz gefunden, da er eine zeitlose Wahrheit über Hierarchien und das Ego ausspricht. In einer Leistungsgesellschaft, die zur ständigen Selbstoptimierung und Selbstdarstellung drängt, dient Loriots Beobachtung als humorvolles Korrektiv, das den Einzelnen daran erinnert, sich selbst trotz aller Erfolge nicht allzu ernst zu nehmen.

Loriot

Humorist und Regisseur · Deutsch

Loriot, bürgerlich Bernhard-Viktor von Bülow, war einer der bedeutendsten deutschen Humoristen, Zeichner und Regisseure, der die Komik des bürgerlichen Alltags und die Tücken der zwischenmenschlichen Kommunikation meisterhaft porträtierte.

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