Ich male die Dinge, wie ich sie mir vorstelle, nicht so, wie ich sie sehe. Ich habe keine Angst, die Dinge zu verändern, denn ich glaube nicht an die objektive…
Es gibt nur zwei Arten von Frauen: Göttinnen und Fußabtreter.
Hintergrund & Bedeutung
Pablo Picasso äußerte diesen Satz gegenüber seiner langjährigen Lebensgefährtin Françoise Gilot, die ihn 1964 in ihren Memoiren „Leben mit Picasso“ festhielt. Die Aussage fiel in einer Phase privater Spannungen und verdeutlicht das extrem asymmetrische Machtgefüge, das Picasso in seinen Beziehungen zu Frauen pflegte. Historisch und biografisch ist das Zitat in einer Zeit verankert, in der Picasso als unangefochtenes Genie der Moderne galt und seine Partnerinnen oft gleichzeitig als Muse und Opfer seiner emotionalen Dominanz fungierten. Die Worte spiegeln eine patriarchale Weltanschauung wider, in der Frauen nur durch ihre Funktion für den Künstler existieren.
Die inhaltliche Kernidee beruht auf einer radikalen Polarisierung des weiblichen Geschlechts. Frauen werden entweder auf ein Podest gehoben und sakralisiert oder als minderwertige Objekte der Erniedrigung behandelt. Diese dualistische Sichtweise war für Picasso ein Instrument der Kontrolle: Solange er eine Frau als Göttin verehrte, war sie die Quelle seiner Inspiration; sobald sie jedoch Eigenständigkeit forderte oder sein Interesse schwand, wurde sie zum „Fußabtreter“ degradiert. Es offenbart ein tiefsitzendes Misstrauen gegenüber weiblicher Subjektivität und die Überzeugung, dass zwischenmenschliche Beziehungen ein reiner Kampf um Unterwerfung seien.
Heute wird die Passage vor allem als Beleg für Picassos Misogynie und seinen problematischen Charakter herangezogen. In der feministischen Kunstkritik dient sie als Schlüsselzitat, um die Schattenseiten des Geniekults zu dekonstruieren. Während das Zitat in der Popkultur oft als provokanter Aphorismus über die Komplexität der Liebe missverstanden wird, fungiert es in der Literatur und Philosophie als mahnendes Beispiel für einen toxischen Dualismus. Die anhaltende Rezeption zeigt, wie stark das Bild des Künstlers heute mit der moralischen Bewertung seines Privatlebens verknüpft ist.
