Es ist ein großer Unterschied, ob man sich selbst für unfehlbar hält, oder ob man nur die Wahrheit, die man zu haben glaubt, für unfehlbar hält.
Dichter und Dramatiker Briefe, die neueste Litteratur betreffend, 1759
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Hintergrund & Bedeutung

Gotthold Ephraim Lessing verfasste diese Zeilen im Jahr 1759 im Rahmen der „Briefe, die neueste Litteratur betreffend“. In dieser Phase der Aufklärung fungierte Lessing als einer der schärfsten Kritiker seiner Zeit und setzte sich intensiv mit der Erneuerung der deutschen Literatur und Geisteswelt auseinander. Die Briefe dienten dazu, den literarischen Geschmack zu bilden und dogmatische Verkrustungen aufzubrechen. Inmitten religiöser und philosophischer Debatten suchte Lessing nach einem Weg, die Vernunft gegen blinden Gehorsam und autoritäre Wahrheitsansprüche zu verteidigen, ohne dabei den Respekt vor der Idee der Wahrheit selbst zu verlieren. Die Aussage reflektiert die erkenntnistheoretische Bescheidenheit der Aufklärung. Lessing unterscheidet präzise zwischen der subjektiven Fehlbarkeit des Menschen und der objektiven Unantastbarkeit der Wahrheit. Er plädiert für eine Haltung, die von Überzeugung geprägt ist, aber gleichzeitig die eigene Fehlbarkeit anerkennt. Diese Differenzierung ist zentral für sein gesamtes Werk, insbesondere für sein späteres Eintreten für religiöse Toleranz, wie es in „Nathan der Weise“ zum Ausdruck kommt. Es geht ihm nicht um Relativismus, sondern um die intellektuelle Redlichkeit, die eigene Erkenntnis stets als vorläufig zu betrachten, während das Ideal der Wahrheit als regulative Idee bestehen bleibt. Heute wird dieser Gedanke häufig in Diskursen über Wissenschaftstheorie, Pluralismus und demokratische Streitkultur herangezogen. Er dient als Mahnung gegen Fanatismus und Selbstgerechtigkeit in politischen oder weltanschaulichen Debatten. In einer Zeit, in der Meinungen oft mit absoluten Wahrheiten verwechselt werden, bietet Lessings Unterscheidung eine philosophische Grundlage für einen respektvollen Dialog. Das Zitat findet sich daher regelmäßig in Essays über die Diskursethik sowie in pädagogischen Kontexten wieder, um die Bedeutung von kritischer Selbstreflexion und intellektueller Offenheit zu unterstreichen.

Gotthold Ephraim Lessing

Dichter und Dramatiker · Deutsch

Gotthold Ephraim Lessing war ein bedeutender Dichter, Dramatiker und Philosoph der deutschen Aufklärung, der durch Werke wie 'Nathan der Weise' und seine Forderung nach religiöser Toleranz Weltruhm erlangte.

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