Es ist eine so süße Empfindung, sich geliebt zu wissen, und die Gewissheit zu haben, dass man einem andern Menschen das Leben verschönert.
Es ist eine sehr angenehme Empfindung, wenn man sich überzeugt, dass man durch seine Arbeit und durch seine Aufmerksamkeit den Menschen, die man liebt, nützlich sein kann.
Hintergrund & Bedeutung
Sophie von La Roche veröffentlichte 1771 mit der 'Geschichte des Fräuleins von Sternheim' den ersten bedeutenden Frauenroman der deutschen Literaturgeschichte. Das Werk entstand im Spannungsfeld zwischen höfischer Gesellschaft und bürgerlicher Tugendlehre der Aufklärung. Die Autorin, die selbst als gebildete Frau in einem intellektuellen Umkreis agierte, thematisiert darin die moralische Vervollkommnung und die soziale Verantwortung des Individuums. Das Zitat spiegelt das zeitgenössische Ideal wider, wonach persönliches Glück untrennbar mit der Ausübung von Tugend und dem Dienst an der Gemeinschaft verknüpft ist. Die Überzeugung, dass Arbeit und Aufmerksamkeit nicht bloße Pflichten sind, sondern Quellen innerer Befriedigung, bildet den Kern der weiblichen Selbstbehauptung in La Roches Denken. Es geht um eine tätige Liebe, die sich durch praktischen Nutzen legitimiert und dem Leben Sinn verleiht, indem sie die Isolation des Ichs durch Fürsorge überwindet. In der heutigen Rezeption dient die Passage oft als Beleg für eine frühe Form weiblicher Selbstwirksamkeit und ethischer Lebensführung. Während der Text ursprünglich im Kontext der Empfindsamkeit gelesen wurde, wird er heute in der Pädagogik, der Ratgeberliteratur oder in philosophischen Diskursen über das Ehrenamt zitiert. Er erinnert daran, dass die Wertschätzung der eigenen Leistung durch den positiven Einfluss auf das Leben anderer eine zeitlose psychologische Konstante darstellt.
