Die Wissenschaft kann niemals die Welt von Grund auf erklären. Wir wissen, dass es eine Wirklichkeit gibt, die hinter der Welt der Sinne liegt, aber wir können sie niemals direkt…
Es kann niemals eine wirkliche Entgegensetzung zwischen Religion und Naturwissenschaft geben. Sie schließen einander nicht aus, sondern ergänzen und bedingen einander.
Hintergrund & Bedeutung
Max Planck formulierte diese Worte im Mai 1937 während seines Vortrags „Religion und Naturwissenschaft“ im Baltikum. In einer Zeit, die durch den ideologischen Druck des Nationalsozialismus und den Versuch einer Gleichschaltung von Wissenschaft und Weltanschauung geprägt war, suchte Planck nach einer stabilen ethischen Basis. Als gläubiger Protestant und zugleich Begründer der Quantenphysik sah er sich mit der zunehmenden Säkularisierung und dem szientistischen Anspruch konfrontiert, dass empirische Forschung den Glauben ersetzen könne. Planck positionierte sich hier bewusst gegen einen radikalen Materialismus und betonte die moralische Verantwortung des Forschers. Kern seiner Überzeugung ist die Annahme, dass Naturwissenschaft und Religion auf unterschiedlichen Ebenen operieren, aber auf dasselbe Ziel ausgerichtet sind: die Erkenntnis einer objektiven Ordnung. Während die Wissenschaft die messbare Außenwelt untersucht, liefert die Religion die notwendigen Werte für das menschliche Handeln. Für Planck war Gott ein Symbol für die Gesetzmäßigkeit des Universums, weshalb ein Widerspruch zwischen dem Studium der Schöpfung und dem Glauben an einen Schöpfer logisch unmöglich schien. Diese harmonisierende Sichtweise macht das Zitat bis heute zu einem Standardwerk der apologetischen Literatur und des interdisziplinären Dialogs. Es wird regelmäßig in philosophischen Debatten, Festreden und populärwissenschaftlichen Abhandlungen herangezogen, um zu verdeutlichen, dass technischer Fortschritt und ethische Rückbindung keine Gegensätze sein müssen. Plancks Brückenschlag dient heute oft als Argument gegen einen dogmatischen Atheismus sowie gegen religiösen Fundamentalismus.
