Altern ist ein außergewöhnlicher Prozess, bei dem man die Person wird, die man schon immer hätte sein sollen.
Ich glaube, dass ich ein sehr oberflächlicher Mensch bin, der versucht, tiefgründig zu sein, und das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich so viele verschiedene Masken trage.
Hintergrund & Bedeutung
David Bowie äußerte diese Worte im Jahr 1976 gegenüber dem Rolling Stone Magazin, einer Phase, die von seinem Umzug nach Los Angeles und einer tiefen persönlichen Krise geprägt war. Inmitten von exzessivem Drogenkonsum und der Erschaffung seiner unterkühlten Kunstfigur 'Thin White Duke' reflektierte Bowie über die Künstlichkeit seines öffentlichen Bildes. Die Mitte der 1970er Jahre markierte für ihn einen Wendepunkt, an dem die Grenzen zwischen seinen Bühnenidentitäten und seiner privaten Existenz zunehmend verschwammen, was zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Authentizität führte.Die Aussage offenbart Bowies Verständnis von Identität als ein konstruiertes, performatives Element. Er thematisiert das Spannungsfeld zwischen der vermeintlichen Leere des Individuums und dem menschlichen Drang nach intellektueller sowie emotionaler Relevanz. Die 'Masken' dienen hierbei nicht nur als Schutzschild, sondern als Werkzeuge der Selbsterkundung. Für Bowie war die ständige Neuerfindung kein Zeichen von Unaufrichtigkeit, sondern die einzige Möglichkeit, der Komplexität des Lebens gerecht zu werden, indem er die Oberfläche als Spielfeld für tiefere Wahrheiten nutzte.Heutzutage wird das Zitat oft herangezogen, um die postmoderne Natur von Ruhm und die Fragmentierung des Selbst in der digitalen Ära zu beschreiben. Es findet Verwendung in kunsttheoretischen Diskursen über Camouflage und Selbstdarstellung sowie in der Popkultur, wenn es um die Dekonstruktion von Starkult geht. Bowies Eingeständnis einer vermeintlichen Oberflächlichkeit gilt heute als visionär, da es die moderne Erkenntnis vorwegnahm, dass Identität kein starrer Kern, sondern ein fließender Prozess aus verschiedenen Rollen und Inszenierungen ist.
