Willst du den Körper pflegen, so pflege erst den Geist, denn ein gesunder Geist ist es, der sich den Körper baut und ihn gesund erhält.
Wenn man sich die Menschen so betrachtet, besonders die, welche sich für etwas halten, dann möchte man sich am liebsten in ein Mauseloch verkriechen.
Hintergrund & Bedeutung
Wilhelm Busch verfasste diese Zeilen im Jahr 1871 in einem Brief an seine langjährige Korrespondentin Marie Anderson. Zu dieser Zeit befand sich der Zeichner und Dichter auf dem Höhepunkt seines Ruhms, litt jedoch zunehmend unter der damit einhergehenden öffentlichen Aufmerksamkeit und den gesellschaftlichen Erwartungen des wilhelminischen Deutschlands. Nach der Reichsgründung war die Atmosphäre von einem oft hohlen Patriotismus und bürgerlicher Selbstgefälligkeit geprägt, was Busch, der zeitlebens eine tiefe Skepsis gegenüber menschlicher Eitelkeit hegte, zutiefst missfiel. Er zog sich immer häufiger in die Provinz zurück, um der Berliner Prominenz und dem Getriebe der Großstadt zu entfliehen.Die Aussage spiegelt Buschs pessimistisches Menschenbild wider, das stark von der Philosophie Arthur Schopenhauers beeinflusst war. Der Wunsch, sich in ein „Mauseloch“ zu verkriechen, ist Ausdruck einer tiefen Misanthropie und des Ekels vor der menschlichen Arroganz. Busch entlarvt hier die Diskrepanz zwischen dem prätentiösen Selbstbild vieler Zeitgenossen und ihrer tatsächlichen moralischen oder geistigen Unbedeutsamkeit. Für ihn war die menschliche Existenz oft von Egoismus und Maskerade bestimmt, weshalb er die Einsamkeit der gesellschaftlichen Interaktion vorzog.Heutzutage wird der Ausspruch häufig zitiert, um Kritik an Narzissmus und Geltungsdrang in der modernen Gesellschaft zu üben. Er findet Verwendung in psychologischen Abhandlungen über das Hochstapler-Syndrom ebenso wie in kulturkritischen Glossen über die Selbstdarstellung in sozialen Medien. Die zeitlose Relevanz liegt in der prägnanten Formulierung des Unbehagens, das viele Menschen empfinden, wenn sie mit übersteigertem Stolz oder elitärem Gehabe konfrontiert werden. Damit bleibt Busch ein wichtiger Stichwortgeber für jene, die einen distanzierten, humorvoll-bitteren Blick auf das menschliche Miteinander werfen.
