Wenn wir anfangen, uns dafür zu entschuldigen, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.
Politikerin, Bundeskanzlerin Pressekonferenz zum G20-Gipfel, 15. September 2015
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Hintergrund & Bedeutung

Angela Merkel äußerte diese Worte am 15. September 2015 während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann in Berlin. Zu diesem Zeitpunkt erreichte die europäische Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt, nachdem Deutschland kurz zuvor entschieden hatte, die Grenzen für Tausende in Ungarn festsitzende Schutzsuchende offen zu halten. Die Bundeskanzlerin reagierte mit dieser emotionalen Verteidigung auf die massive Kritik aus den eigenen Reihen der Union sowie von rechtspopulistischen Kräften, die ihr einen Kontrollverlust und eine Gefährdung der nationalen Sicherheit vorwarfen. Die Aussage markiert einen der seltenen Momente, in denen die sonst für ihren nüchternen Pragmatismus bekannte Politikerin eine tief verwurzelte moralische Überzeugung öffentlich und leidenschaftlich artikulierte.Inhaltlich stellt das Zitat ein Plädoyer für Humanität als Staatsräson dar. Merkel verknüpft hier das nationale Selbstverständnis Deutschlands untrennbar mit christlich-humanitären Werten und der Weltoffenheit. Die Kernidee ist, dass ein demokratisches Land seine Identität verliert, wenn Empathie und Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen in Not als politischer Fehler gewertet werden. Es spiegelt Merkels Überzeugung wider, dass globale Krisen nicht durch Abschottung, sondern nur durch die Bewahrung ethischer Grundsätze bewältigt werden können. Damit setzte sie einen Gegenpol zur rein sicherheitspolitischen Debatte jener Tage.Heute gilt der Satz als eines der bedeutendsten politischen Statements der Ära Merkel und wird oft in einem Atemzug mit ihrem „Wir schaffen das“ genannt. In der politischen Bildung und der zeitgeschichtlichen Literatur dient er als Referenzpunkt für die Zerreißprobe der deutschen Gesellschaft zwischen Willkommenskultur und Asylkritik. In Debatten über Rechtspopulismus und die moralische Verantwortung des Westens wird das Zitat regelmäßig herangezogen, um die Frage nach der nationalen Identität neu zu verhandeln. Es ist zu einem festen Bestandteil der politischen Rhetorik geworden, wenn es darum geht, die Verteidigung humanistischer Werte gegen eine zunehmende Verrohung des gesellschaftlichen Diskurses einzufordern.

Angela Merkel

Politikerin, Bundeskanzlerin · Deutsch

Angela Merkel ist eine ehemalige deutsche Politikerin der CDU, die von 2005 bis 2021 als erste Frau das Amt der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland bekleidete. Sie gilt als eine der einflussreichsten Staatsfrauen der Welt und prägte über 16 Jahre lang maßgeblich die europäische und internationale Politik.

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