Wer nun Musik versteht und die Kunst liebt, der ist guter Dinge, unerschrocken und nicht traurig; man vertreibt mit ihr alle Sorgen und bösen Gedanken.
Theologe und Reformator Tischreden (Table Talk), WA TR 1, No. 968
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Hintergrund & Bedeutung

Martin Luther äußerte diese Worte im Rahmen seiner sogenannten Tischreden, einer Sammlung von Aufzeichnungen seiner Studenten und Weggefährten, die seine spontanen Äußerungen während gemeinsamer Mahlzeiten im Schwarzen Kloster zu Wittenberg festhielten. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war Luther bereits eine zentrale Figur der Reformation und sah sich ständigen theologischen Kämpfen sowie persönlichen gesundheitlichen Leiden gegenüber. In diesem privaten, informellen Rahmen suchte er oft Trost in der Musik, die er als göttliches Geschenk betrachtete, das den Menschen in Zeiten der Anfechtung und Melancholie aufrichten könne.Die Aussage unterstreicht Luthers tiefe Überzeugung von der psychologischen und spirituellen Wirkkraft der Musik. Er ordnete die Tonkunst unmittelbar nach der Theologie ein, da sie für ihn die Fähigkeit besaß, den Teufel zu vertreiben und die Seele in einen Zustand der Gelassenheit zu versetzen. Musik war für ihn kein bloßer Zeitvertreib, sondern ein aktives Mittel gegen die 'Trübsinnigkeit' (Acedia), die er als geistliche Gefahr ansah. Wer die Kunst der Musik beherrscht, so Luthers Kernidee, gewinnt eine innere Festigkeit, die ihn gegen weltliche Sorgen und düstere Gedanken immunisiert.Heute wird der Ausspruch häufig zitiert, um die therapeutische und gemeinschaftsstiftende Funktion von Musik zu betonen. Er findet Verwendung in der Musikpädagogik, in Vorworten zu Liederbüchern sowie in philosophischen Abhandlungen über die Heilkraft der Künste. Luthers Sichtweise prägt bis heute das protestantische Verständnis von Kirchenmusik als Verkündigung und Lebenshilfe und dient in der modernen Alltagskultur als zeitloses Plädoyer für die emotionale Hygiene durch künstlerischen Genuss.

Martin Luther

Theologe und Reformator · Deutsch

Martin Luther war ein deutscher Theologe und der geistige Vater der Reformation, der durch seine Kritik am Ablasshandel und seine Bibelübersetzung die europäische Kirchengeschichte und die deutsche Sprache nachhaltig prägte.

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