Die Welt ist voll von Konflikten und voll von Dingen, die nicht funktionieren. Aber die Arbeit des Künstlers besteht nicht darin, die Welt zu reparieren, sondern sie zu interpretieren.
Wir sind nur Gefäße, durch die das Licht scheint. Alles, was wir tun können, ist, die Risse so weit wie möglich offen zu halten, damit das Licht hindurchscheinen kann.
Hintergrund & Bedeutung
Leonard Cohen äußerte diese Gedanken im Jahr 2012 in einem Interview mit der britischen Zeitung The Guardian, kurz nach der Veröffentlichung seines Albums Old Ideas. Zu diesem Zeitpunkt blickte der kanadische Künstler auf ein langes Leben voller spiritueller Suche zurück, das durch seine jüdischen Wurzeln ebenso geprägt war wie durch seine jahrelange Praxis als Zen-Mönch. In einer Phase des späten Ruhms und einer spürbaren körperlichen Hinfälligkeit reflektierte Cohen über den Ursprung von Kreativität und die menschliche Unvollkommenheit. Die Metapher des Lichts und der Risse greift dabei ein zentrales Motiv seines Werks auf, das bereits 1992 in seinem berühmten Song Anthem mit der Zeile There is a crack in everything / That's how the light gets in Weltruhm erlangte. Die Kernidee hinter diesen Worten ist eine Absage an den menschlichen Perfektionismus. Cohen begreift das Individuum nicht als Schöpfer aus sich selbst heraus, sondern als einen Kanal für eine höhere, transzendente Kraft. Die Risse stehen für Schmerz, Brüche und das Scheitern, die jedoch keine Makel darstellen, sondern notwendige Öffnungen sind, durch die Erkenntnis und Gnade erst wirksam werden können. In Cohens Weltbild ist die Akzeptanz der eigenen Zerbrechlichkeit die Voraussetzung für spirituelle Erleuchtung und künstlerische Wahrhaftigkeit. Heute wird diese Passage weit über den musikalischen Kontext hinaus rezipiert. Sie dient in der Psychologie als Sinnbild für Resilienz und findet in der Literatur sowie in philosophischen Diskursen über die Ästhetik des Unvollkommenen Anwendung. Menschen nutzen das Zitat als Trost spendende Einsicht in Krisenzeiten, um das vermeintlich Kaputte im Leben als Chance für tiefere Einsicht umzudeuten.
