Die Sprache ist das bildende Organ des Gedankens. Die intellektuelle Tätigkeit, welche durch und durch geistig ist, geht durch Laute in die Welt nach außen über.
Zitate von Wilhelm von Humboldt
Wilhelm von Humboldt war ein bedeutender preußischer Gelehrter, Staatsmann und Bildungsreformer, der als Begründer der modernen Universität und Wegbereiter der vergleichenden Sprachwissenschaft gilt.
16 Zitate
Wilhelm von Humboldt wurde 1767 in Potsdam in eine einflussreiche preußische Adelsfamilie geboren und wuchs in einem Umfeld auf, das von den Idealen der Aufklärung geprägt war. Gemeinsam mit seinem Bruder Alexander erhielt er eine exzellente Ausbildung durch namhafte Privatlehrer. Sein Studium in Frankfurt (Oder) und Göttingen legte den Grundstein für sein lebenslanges Interesse an der Antike, der Rechtswissenschaft und der Philosophie. In einer Zeit des politischen Umbruchs, geprägt durch die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege, bewegte sich Humboldt im Zentrum des geistigen Lebens und pflegte enge Freundschaften mit Größen wie Goethe und Schiller. Als Staatsmann im preußischen Dienst gestaltete er nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon das Bildungswesen grundlegend neu und gründete 1810 die Berliner Universität.Humboldts Denken war zutiefst vom Ideal der individuellen Selbstbestimmung und der ganzheitlichen Bildung geprägt. Sein Menschenbild basierte auf der Überzeugung, dass jeder Einzelne die Bestimmung habe, seine inneren Kräfte zu einer harmonischen Ganzheit zu entfalten. In seinen Schriften zur Staatsphilosophie forderte er eine strikte Begrenzung staatlichen Handelns, um den Raum für die freie Entwicklung des Individuums zu wahren. Ein zentrales Thema seiner Arbeit war zudem die Sprache: Er betrachtete sie nicht nur als Werkzeug der Kommunikation, sondern als das bildende Organ des Gedankens. Für Humboldt war die Vielfalt der Sprachen ein Ausdruck der unterschiedlichen Weltansichten der Menschheit, wobei er die untrennbare Einheit von Sprache, Denken und Kultur betonte.Das Vermächtnis Humboldts ist bis heute in der Struktur moderner Bildungssysteme weltweit präsent. Das nach ihm benannte Humboldt’sche Bildungsideal, das die Einheit von Forschung und Lehre sowie eine zweckfreie, allgemeine Menschenbildung fordert, bleibt der Goldstandard akademischer Freiheit. In der Sprachwissenschaft gilt er als Pionier, dessen Theorien über die Sprachstruktur den Weg für den modernen Strukturalismus und die Ethnolinguistik ebneten. Seine liberalen staatstheoretischen Ansätze beeinflussten maßgeblich die Entwicklung des modernen Rechtsstaates. Humboldts Werke werden heute weiterhin intensiv rezipiert, da sie zeitlose Fragen nach dem Verhältnis zwischen Individuum, Gesellschaft und Staat sowie nach der Bedeutung von Bildung als Prozess der Persönlichkeitsreifung behandeln.
Die wahre und einzige Quelle der Sprache ist die menschliche Natur, und ihre Entwicklung ist die Entwicklung des menschlichen Geistes selbst.
Der Mensch kann sich nur in der Freiheit wahrhaft entfalten, und nur in ihr kann er die Kraft entwickeln, die ihn zu einem selbstständigen Wesen macht.
Der Staat ist in dem Maße schädlich, als er sich in Dinge einmischt, die die individuelle Freiheit und die Selbstbestimmung des Einzelnen betreffen, denn nur in der Freiheit kann sich…
Der wahre Zweck des Menschen, nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt, ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.
Der Mensch ist ein Wesen, das nicht nur handelt, sondern auch nachdenkt, und dessen Handlungen nur dann einen Wert haben, wenn sie aus einer inneren Überzeugung und einer freien Entscheidung…
Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt, und er spielt nur da, wo er in der vollen Bedeutung des Wortes Mensch ist.
Die schönste Verbindung zwischen Menschen ist doch die, wo einer im andern sein eignes besseres Selbst, seine eignen Ideale und Hoffnungen liebt und ehrt.
Das Studium der Sprache ist ein Studium der Weltansicht, und die Sprache selbst ist die Arbeit des Geistes, sich die Welt anzueignen.
Man muss die Welt nicht nur kennen, sondern sie auch in sich aufgenommen haben, um sie wieder aus sich herausgeben zu können.
