Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt.
Philosoph Phänomenologie des Geistes (1807), Vorrede
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Hintergrund & Bedeutung

Georg Wilhelm Friedrich Hegel verfasste diesen Satz in der Vorrede zu seinem 1807 erschienenen Werk 'Phänomenologie des Geistes'. Die Entstehung fiel in eine Zeit des radikalen Umbruchs, als Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt das alte Preußen besiegte. Hegel vollendete das Manuskript unter dem unmittelbaren Eindruck dieser weltgeschichtlichen Zäsur, die er als Ende einer alten Epoche und Beginn eines neuen Bewusstseins verstand. In diesem intellektuellen Klima suchte er nach einer wissenschaftlichen Begründung der Philosophie, die über bloße Meinungen hinausgeht. Hegel kritisiert mit dieser Aussage die oberflächliche Vertrautheit mit Begriffen und Vorstellungen. Dass uns etwas im Alltag 'bekannt' vorkommt, bedeutet für ihn lediglich eine gewohnheitsmäßige Akzeptanz, die echtes philosophisches Begreifen eher verhindert als fördert. Wahre Erkenntnis setzt voraus, das vermeintlich Selbstverständliche zu hinterfragen, es aus seiner Unmittelbarkeit zu lösen und in seinen logischen Notwendigkeiten zu durchdringen. Das Bekannte bleibt ohne diese methodische Reflexion ein unbegriffenes Vorurteil. In der heutigen Rezeption dient das Zitat als Mahnung gegen kognitive Voreingenommenheit und die Illusion des Wissens. Es wird in der Erkenntnistheorie, der Pädagogik und der kritischen Gesellschaftstheorie angeführt, um aufzuzeigen, dass die größte Hürde für neues Lernen oft das ist, was man bereits zu wissen glaubt. In einer Welt der schnellen Informationen erinnert Hegels Diktum daran, dass Information nicht mit Einsicht gleichzusetzen ist.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Philosoph · Deutsch

Georg Wilhelm Friedrich Hegel war ein bedeutender deutscher Philosoph des Idealismus, der mit seiner Dialektik und dem Konzept des Weltgeistes die moderne Philosophie maßgeblich prägte.

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