Es geht darum, sich in das Leben anderer Menschen hineinzuversetzen und zu spüren, wie es sich anfühlt. Das ist das größte Privileg, das ein Schauspieler hat.
Das große Geschenk des Menschen ist, dass wir die Kraft der Empathie besitzen, wir alle können eine geheimnisvolle Verbindung zueinander spüren.
Hintergrund & Bedeutung
Meryl Streep äußerte diese Worte im Rahmen ihrer Dankesrede bei den Emmy Awards im Jahr 2004, als sie für ihre herausragende Leistung in der Miniserie 'Angels in America' ausgezeichnet wurde. Die Produktion thematisierte die AIDS-Krise der 1980er Jahre und die damit verbundene gesellschaftliche Stigmatisierung. In einer Zeit, die von politischer Polarisierung und den Nachwirkungen globaler Krisen geprägt war, nutzte Streep die Bühne, um die verbindende Kraft der Kunst hervorzuheben. Sie reflektierte dabei über die Fähigkeit von Schauspielern und Menschen im Allgemeinen, über die Grenzen des eigenen Ichs hinauszublicken und sich in das Leid und die Freude anderer hineinzuversetzen. Die Kernidee des Zitats liegt in der Empathie als biologisches und spirituelles Werkzeug, das über bloßes Mitgefühl hinausgeht. Streep begreift Empathie nicht als passive Eigenschaft, sondern als aktive Kraft, die eine 'geheimnisvolle Verbindung' schafft und soziale Barrieren überwinden kann. Für sie ist das Schauspielhandwerk eine Übung in radikaler Menschlichkeit: Indem man eine fremde Identität annimmt, erkennt man die universellen Bedürfnisse aller Individuen an. Diese Überzeugung zieht sich durch ihr gesamtes Lebenswerk und ihr öffentliches Engagement für Menschenrechte. Heute wird die Aussage regelmäßig in psychologischen und pädagogischen Diskursen zitiert, um die Bedeutung emotionaler Intelligenz zu unterstreichen. In einer zunehmend digitalisierten Welt, in der die Gefahr der Entfremdung wächst, dient Streeps Gedanke als Mahnung, die menschliche Fähigkeit zur Resonanz zu pflegen. Das Zitat findet sich in Motivationsliteratur ebenso wie in philosophischen Abhandlungen über das Wesen der Intersubjektivität wieder.
