Denn das Nichtwissen ist das Schlimmste, wenn man glaubt, etwas zu wissen, obwohl man es nicht weiß, denn dann meint man, man wisse alles, obwohl man nichts weiß.
Denn das ist es, was die Liebe ausmacht: das Verlangen nach der Zeugung und Geburt im Schönen, sowohl für den Körper als auch für die Seele.
Hintergrund & Bedeutung
Platons Dialog 'Symposion' entstand etwa um 380 v. Chr. und thematisiert ein Gastmahl im Hause des Dichters Agathon, bei dem die Anwesenden Lobreden auf den Gott Eros halten. Das Zitat fällt in der Rede des Sokrates, der jedoch nicht seine eigene Meinung wiedergibt, sondern sich auf die Lehren der weisen Frau Diotima beruft. In dieser Phase des klassischen Athens war die philosophische Auseinandersetzung mit der Natur des Begehrens eng mit der pädagogischen und gesellschaftlichen Struktur der Päderastie verknüpft, wobei Platon über die rein physische Ebene hinausging. Die Kernidee beschreibt die Liebe nicht als bloßes Gefühl, sondern als einen schöpferischen Drang zur Unsterblichkeit. Das 'Zeugen im Schönen' meint einerseits die biologische Fortpflanzung, vielmehr aber die geistige Hervorbringung von Tugend, Kunst und Wissen. Wahre Liebe strebt danach, durch die Betrachtung schöner Körper zur Erkenntnis der Schönheit an sich aufzusteigen. Dieser Prozess, oft als 'Platonische Liebe' missverstanden, zielt auf die Veredelung der Seele durch die Inspiration des Schönen ab. Heute wird der Gedanke vor allem in der Ästhetik und Psychologie rezipiert, wenn es um die Verbindung von Erotik und Kreativität geht. In der Literatur und Popkultur dient das Zitat oft als Referenz für die transformative Kraft der Liebe, die über das Individuelle hinausweist. Es bleibt aktuell, da es eine Brücke zwischen körperlichem Verlangen und der Suche nach einem höheren Sinn schlägt.
