Ich bin genöthiget gewesen, mich so weit zu demüthigen, daß ich auch für andere Leute arbeiten muß, damit ich mein Brod verdienen kann.
Der Zweck aller Musik sollte nichts anderes sein als Gott zur Ehre und die Erquickung der Seele; wo dies nicht in Betracht gezogen wird, da gibt es keine wirkliche Musik, sondern nur ein teuflisches Geplärr und Geleier.
Hintergrund & Bedeutung
Johann Sebastian Bach verfasste diese programmatischen Zeilen um das Jahr 1713 als Widmung in seinem 'Orgelbüchlein', einer Sammlung von Choralvorspielen. Zu dieser Zeit war er als Hoforganist und Kammermusikus in Weimar tätig. Die Entstehung fällt in eine Phase, in der Bach die pädagogische Vermittlung des Orgelspiels mit einer tiefen theologischen Fundierung verknüpfte. Sein Schaffen war untrennbar mit dem lutherischen Glauben verbunden, der die Musik als ein direktes Geschenk Gottes begriff, das dem Menschen zur moralischen und geistigen Erbauung dienen sollte. Die Aussage spiegelt Bachs tiefes Verständnis der 'Musica Sacra' wider. Für ihn war Komponieren kein rein ästhetischer Selbstzweck oder bloße Unterhaltung, sondern ein gottesdienstlicher Akt. Die Unterscheidung zwischen wahrer Musik und 'teuflischem Geplärr' markiert seine Überzeugung, dass Klang ohne geistiges Fundament seine Daseinsberechtigung verliert. Musik fungiert hier als Brücke zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen, wobei handwerkliche Perfektion und religiöse Demut eine Einheit bilden müssen. Heute wird dieser Ausspruch oft zitiert, um die Ernsthaftigkeit und spirituelle Tiefe der Barockmusik zu verdeutlichen. Er findet Verwendung in musikwissenschaftlichen Abhandlungen, theologischen Diskursen über die Liturgie sowie in Biografien, die Bachs Charakter als gottesfürchtigen Handwerker hervorheben. In einer säkularisierten Welt dient das Zitat zudem als Plädoyer für die emotionale und heilende Kraft der Kunst, die über den rein materiellen Konsum hinausgeht.
