Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.
Die Bildung der fünf Sinne ist eine Arbeit der ganzen bisherigen Weltgeschichte.
Hintergrund & Bedeutung
Karl Marx verfasste die 'Ökonomisch-philosophischen Manuskripte' im Jahr 1844 während seines Exils in Paris. In dieser Phase des intellektuellen Umbruchs setzte er sich intensiv mit der klassischen Nationalökonomie und der Philosophie Hegels auseinander. Die Zeit war geprägt von der beginnenden industriellen Revolution und der massiven Verelendung des Proletariats, was Marx dazu veranlasste, die Entfremdung des Menschen in der kapitalistischen Produktion theoretisch zu fassen. Das Zitat entstammt dem Abschnitt über Privateigentum und Kommunismus, in dem er die Befreiung der menschlichen Bedürfnisse von der bloßen Habgier thematisiert. Marx vertritt hier die Ansicht, dass die menschliche Wahrnehmung kein rein biologisches Faktum ist, sondern das Resultat eines jahrtausendelangen gesellschaftlichen und kulturellen Prozesses. Die Sinne verändern sich durch die Interaktion mit der Umwelt und die menschliche Praxis; erst durch die Zivilisation und die Bearbeitung der Natur werden sie verfeinert und vermenschlicht. Ein musikalischer Sinn etwa entsteht erst durch Musik. Im Kapitalismus sieht Marx diese Sinne jedoch durch den Zwang zum Besitzen verengt. Die Aufhebung des Privateigentums bedeutet für ihn daher die Emanzipation aller menschlichen Sinne. Heute wird dieser Gedanke vor allem in der Ästhetik, der Kulturphilosophie und der Medienwissenschaft rezipiert. Er dient als theoretische Grundlage für die Annahme, dass unsere Art zu sehen, zu hören und zu fühlen historisch geformt und somit wandelbar ist. In Debatten über die Digitalisierung oder die Konsumgesellschaft wird das Zitat herangezogen, um zu verdeutlichen, wie technologische und soziale Umbrüche unsere Wahrnehmung der Welt fortlaufend neu konfigurieren.
