Die Digitalisierung der ganzen Lebenswelt bietet die Chance, dass wir unsere Art zu arbeiten, zu kommunizieren, miteinander umzugehen, völlig neu und hoffentlich auch menschlicher und effizienter gestalten können.
Politikerin, Bundeskanzlerin Rede auf dem 103. Deutschen Katholikentag, Leipzig, 2016
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Hintergrund & Bedeutung

Angela Merkel äußerte diese Worte im Mai 2016 während einer Podiumsdiskussion auf dem 103. Deutschen Katholikentag in Leipzig. Zu diesem Zeitpunkt war die vierte industrielle Revolution bereits ein zentrales Thema ihrer Regierungsarbeit, während die Gesellschaft gleichzeitig von den Nachwirkungen der Flüchtlingskrise und einer zunehmenden Polarisierung geprägt war. Inmitten dieser Umbrüche suchte Merkel auf dem christlichen Laientreffen nach einer Brücke zwischen technologischem Fortschritt und ethischer Verantwortung, um die Digitalisierung nicht nur als technokratischen Prozess, sondern als gestaltbare gesellschaftliche Aufgabe zu definieren.

Die Aussage spiegelt Merkels rational-optimistische Weltsicht wider, die den Wandel als unvermeidbare Realität akzeptiert, aber dessen Gestaltung einfordert. Sie vertritt die Überzeugung, dass Effizienz und Menschlichkeit keine Gegensätze sein müssen, sofern der Mensch im Mittelpunkt der Algorithmen bleibt. Für die promovierte Physikerin bedeutet Digitalisierung hierbei eine Befreiung von repetitiven Lasten, die Freiräume für zwischenmenschliche Interaktion schafft. Es ist ein Plädoyer für einen digitalen Humanismus, der die Chancen der Vernetzung über die Risiken der Entfremdung stellt und den Fortschritt an seinem Nutzen für das Gemeinwohl misst.

Heute wird die Passage häufig in Debatten über New Work und digitale Ethik zitiert, um die positiven Potenziale der Transformation hervorzuheben. In einer Zeit, in der Diskurse oft von dystopischen Warnungen vor Überwachung oder Arbeitsplatzverlust dominiert werden, dient Merkels Formulierung als Referenzpunkt für einen konstruktiven Umgang mit Technologie. Sie findet regelmäßig Verwendung in Fachliteratur zur digitalen Transformation sowie in politischen Grundsatzreden, wenn es darum geht, die technologische Entwicklung mit europäischen Werten zu verknüpfen und eine Vision jenseits rein ökonomischer Kennzahlen zu entwerfen.

Angela Merkel

Politikerin, Bundeskanzlerin · Deutsch

Angela Merkel ist eine ehemalige deutsche Politikerin der CDU, die von 2005 bis 2021 als erste Frau das Amt der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland bekleidete. Sie gilt als eine der einflussreichsten Staatsfrauen der Welt und prägte über 16 Jahre lang maßgeblich die europäische und internationale Politik.

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