Die Gerechtigkeit ist das, was etabliert ist; und so müssen alle unsere etablierten Gesetze notwendigerweise als gerecht angesehen werden, ohne dass sie geprüft werden, da sie etabliert sind.
Mathematiker & Philosoph Blaise Pascal, Pensées, Fragment 103
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Hintergrund & Bedeutung

Blaise Pascal verfasste diese Zeilen Mitte des 17. Jahrhunderts im Rahmen seiner Arbeit an einer Verteidigung des christlichen Glaubens, die posthum als 'Pensées' veröffentlicht wurde. In einer Ära, die von den Erschütterungen des Dreißigjährigen Krieges und der Fronde-Aufstände in Frankreich geprägt war, suchte Pascal nach einer stabilen Ordnung in einer zutiefst korrupten Welt. Seine Gedanken spiegeln die Skepsis gegenüber der menschlichen Vernunft wider, die unfähig sei, eine absolute, göttliche Gerechtigkeit auf Erden zweifelsfrei zu erkennen oder zu begründen. Die Passage entstammt einer Analyse der menschlichen Eitelkeit und der Fragilität gesellschaftlicher Institutionen.Der Kern dieser Aussage liegt in einem radikalen Rechtspositivismus: Da es keinen universellen Konsens darüber gibt, was inhaltlich gerecht ist, wird die bloße Tatsache, dass ein Gesetz existiert und etabliert ist, zum Kriterium seiner Gültigkeit. Pascal argumentiert nicht für die moralische Vollkommenheit der Gesetze, sondern für deren pragmatische Notwendigkeit zur Vermeidung von Bürgerkrieg und Chaos. Gerechtigkeit ist hier kein Ideal, das man durch philosophische Prüfung erreicht, sondern ein Synonym für die geltende Ordnung. Wer die Gesetze ständig hinterfragt, gefährdet den sozialen Frieden, weshalb die Unterwerfung unter das Etablierte die höchste Form politischer Klugheit darstellt.Heute wird dieses Fragment häufig in rechtsphilosophischen Debatten herangezogen, um die Spannung zwischen positivem Recht und Naturrecht zu illustrieren. Es dient als Referenzpunkt für die Kritik an Machtstrukturen, die ihre Legitimität allein aus ihrer Existenz ableiten. In der modernen politischen Theorie wird Pascal oft zitiert, wenn es um die Dekonstruktion von Autorität geht oder um aufzuzeigen, wie willkürlich gesellschaftliche Normen begründet sein können. Das Zitat bleibt aktuell, da es die unbequeme Wahrheit anspricht, dass Stabilität oft über die Suche nach einer tieferen Wahrheit gestellt wird.

Blaise Pascal

Mathematiker & Philosoph · Französisch

Blaise Pascal war ein französischer Mathematiker, Physiker und christlicher Philosoph, der als Wegbereiter der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Erfinder der ersten Rechenmaschine gilt.

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