Wenn man in ein Land kommt, in dem man nicht geboren ist, ist man immer der Fremde, und man wird auch immer der Fremde bleiben, egal wie lange man dort…
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, aber die meisten Menschen sind nicht imstande, die Wahrheit zu ertragen, weil sie die Wahrheit nicht wollen, sondern die Lüge, weil die Lüge bequemer ist.
Hintergrund & Bedeutung
Thomas Bernhard veröffentlichte 1984 seinen Roman „Holzfällen“, ein Werk, das als radikale Abrechnung mit der Wiener Kulturszene und dem bürgerlichen Kunstbetrieb gilt. Das Zitat entspringt der tiefen Frustration des Erzählers über die Heuchelei und die Maskeraden einer Gesellschaft, die sich in oberflächlichen Konventionen verliert. Bernhard schrieb diesen Text in einer Phase, in der er sich zunehmend als Provokateur und Kritiker der österreichischen Nachkriegsgesellschaft positionierte, die seine schonungslose Offenlegung von Lebenslügen oft mit Ablehnung und juristischen Auseinandersetzungen quittierte. Die Kernidee des Zitats reflektiert Bernhards Überzeugung, dass der Mensch die Wahrheit zwar intellektuell erfassen könnte, sich jedoch aus purer Bequemlichkeit und Angst vor der existenziellen Härte für die schützende Lüge entscheidet. In seinem Denken ist die Wahrheit eine Zumutung, die den Einzelnen isoliert, während die Lüge den sozialen Kitt bildet. Diese existenzphilosophische Haltung zieht sich durch sein gesamtes Schaffen: Die Sprache dient bei Bernhard oft dazu, die Fassaden einzureißen, auch wenn das Ergebnis für das Individuum schmerzhaft ist. Heute wird der Satz häufig in politischen und gesellschaftskritischen Debatten herangezogen, um Phänomene wie Realitätsverweigerung oder den Rückzug in Filterblasen zu beschreiben. Er hat über den literarischen Kontext hinaus Bedeutung erlangt, da er die psychologische Barriere zwischen Erkenntnis und Handeln präzise benennt und als zeitloser Kommentar zur menschlichen Natur fungiert.
