Wenn man in ein Land kommt, in dem man nicht geboren ist, ist man immer der Fremde, und man wird auch immer der Fremde bleiben, egal wie lange man dort…
Zitate von Thomas Bernhard
Thomas Bernhard war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller der Nachkriegszeit, bekannt für seine kompromisslose Gesellschaftskritik und seinen unverwechselbaren, obsessiven Schreibstil.
7 Zitate
Thomas Bernhard wurde 1931 in den Niederlanden geboren und wuchs unter schwierigen familiären Verhältnissen in Salzburg und Wien auf. Sein Leben war früh von Krankheiten geprägt, insbesondere durch ein schweres Lungenleiden, das ihn jahrelang in Heilstätten zwang. Diese existenzielle Erfahrung des Todes und der Isolation wurde zum Fundament seines literarischen Schaffens. Nach einem abgebrochenen Musikstudium und Anfängen als Journalist etablierte er sich ab den 1960er Jahren als Lyriker, Dramatiker und Romancier. Sein Werk ist untrennbar mit der Auseinandersetzung mit der österreichischen Identität und der belasteten Geschichte des Landes nach dem Nationalsozialismus verbunden.
Bernhards Denken ist von einem tiefen Pessimismus und einer radikalen Skepsis gegenüber menschlichen Institutionen geprägt. In seinen Werken kehren Motive wie Geisteskrankheit, körperlicher Verfall, die Unmöglichkeit echter Kommunikation und die Absurdität des Daseins stetig wieder. Seine Protagonisten sind oft isolierte Intellektuelle, die sich in monologischen Suaden gegen die Stumpfheit der Gesellschaft, den Staat und die katholische Kirche auflehnen. Zentral ist dabei die Technik der Übertreibung, die Bernhard als notwendiges Mittel betrachtete, um die Wahrheit hinter der bürgerlichen Fassade sichtbar zu machen. Seine Sprache ist durch lange, rhythmische Satzkaskaden und ständige Wiederholungen gekennzeichnet, die eine fast musikalische, aber auch beklemmende Intensität erzeugen.
Das Vermächtnis Thomas Bernhards liegt in seiner Rolle als unerbittlicher ‚Nestbeschmutzer‘, ein Etikett, das ihm aufgrund seiner scharfen Kritik an Österreich oft verliehen wurde. Er löste mit Stücken wie ‚Heldenplatz‘ nationale Skandale aus, die die Debatte über die Mitschuld am Nationalsozialismus befeuerten. Über die politische Dimension hinaus beeinflusste sein Stil Generationen von Autoren und prägte die moderne Literatur durch die Perfektionierung des inneren Monologs. Seine Texte werden heute weltweit gelesen, weil sie die Abgründe der menschlichen Psyche mit einer einzigartigen Mischung aus existenziellem Ernst und grimmigem Humor ausleuchten. Bernhards Werk bleibt eine zeitlose Provokation gegen geistige Trägheit und Konformismus.
Die Wahrheit ist, dass wir alle nur in der Vorstellung leben, dass wir existieren, während wir in Wirklichkeit nichts weiter als eine Ansammlung von Fehlern und Missverständnissen sind.
Wer sich die Musik nicht als eine Lebensnotwendigkeit vorstellt, der hat von der Musik überhaupt keine Ahnung, der hat von der Kunst überhaupt keine Ahnung.
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, aber die meisten Menschen sind nicht imstande, die Wahrheit zu ertragen, weil sie die Wahrheit nicht wollen, sondern die Lüge, weil die Lüge bequemer…
Die Kunst ist nichts anderes als die Kunst, das Leben zu ertragen, und wir müssen diese Kunst jeden Tag aufs Neue lernen.
Man muss sich das Leben so einrichten, dass man es aushält, und man muss es so einrichten, dass man es genießt, so gut es geht.
Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.
