Die Menschen sind immer nur damit beschäftigt, sich gegenseitig zu vernichten, und wenn sie nicht vernichten, dann verachten sie sich, und wenn sie nicht verachten, dann hassen sie sich.
Schriftsteller Thomas Bernhard, Auslöschung, 1986
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Hintergrund & Bedeutung

Thomas Bernhards monumentaler Roman „Auslöschung“ aus dem Jahr 1986 bildet den Rahmen für diese radikale Bestandsaufnahme menschlicher Destruktivität. Als letztes großes Prosawerk vor seinem Tod verfasst, fungiert das Buch als literarisches Testament, in dem Bernhard mit seiner österreichischen Heimat, der katholisch-nationalsozialistischen Vergangenheit seiner Familie und der Verlogenheit der bürgerlichen Gesellschaft abrechnet. Die düstere Grundstimmung spiegelt Bernhards lebenslange Auseinandersetzung mit Krankheit, Isolation und der empfundenen Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz wider, die er in der Abgeschiedenheit seines oberösterreichischen Bauernhauses radikalisierte. Die Passage artikuliert einen radikalen Pessimismus, der das soziale Miteinander als eine Kette von Aggressionen begreift. Bernhard reduziert zwischenmenschliche Beziehungen auf die Trias aus Vernichtung, Verachtung und Hass. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Zivilisation nur eine dünne Firnis über einem Abgrund aus Neid und Abscheu ist. In Bernhards Denken ist der Mensch ein zur Grausamkeit verdammtes Wesen, das selbst in Momenten scheinbarer Ruhe nur die nächste Stufe der Herabsetzung vorbereitet. Diese kompromisslose Sichtweise ist typisch für seine Übertreibungskunst, die durch sprachliche Zuspitzung eine schmerzhafte Wahrheit über den Egoismus freilegen will. Heute wird die Sentenz oft als zeitlose Warnung vor gesellschaftlicher Polarisierung und Misanthropie zitiert. In literaturwissenschaftlichen Diskursen dient sie als Paradebeispiel für Bernhards Ästhetik des Negativen, während sie in sozialen Medien oder philosophischen Essays häufig herangezogen wird, um auf die dunklen Seiten der menschlichen Natur hinzuweisen. Trotz ihrer Härte bleibt die Beobachtung aktuell, da sie die Mechanismen von Ausgrenzung und psychischer Gewalt präzise benennt und somit als Provokation gegen jede Form von humanistischer Selbstberuhigung fungiert.

Thomas Bernhard

Schriftsteller · Deutsch-Österreicher

Thomas Bernhard war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller der Nachkriegszeit, bekannt für seine kompromisslose Gesellschaftskritik und seinen unverwechselbaren, obsessiven Schreibstil.

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