Die Menschen sind ungeheuerlich, aber die Natur ist noch ungeheuerlicher, und am ungeheuerlichsten ist der Mensch in seiner Beziehung zur Natur, die er nicht begreifen kann.
Schriftsteller Thomas Bernhard, Frost, 1963
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Hintergrund & Bedeutung

Thomas Bernhards Debütroman „Frost“ aus dem Jahr 1963 markiert den radikalen Beginn seines literarischen Schaffens und bricht mit der damals vorherrschenden Tradition des idyllisierenden Heimatromans. Inmitten der frostigen Abgeschiedenheit des fiktiven Ortes Weng begegnen sich ein junger Famulus und der exzentrische Maler Strauch. Die Entstehung des Werks fällt in eine Zeit, in der Bernhard sich von seinen eigenen traumatischen Erfahrungen in Heilstätten und der Enge der österreichischen Nachkriegsgesellschaft freischrieb. Die düstere, lebensfeindliche Berglandschaft dient hierbei nicht als Kulisse, sondern als Spiegelbild einer inneren Zerstörung und existenziellen Isolation.Die Aussage thematisiert das zutiefst gestörte Verhältnis zwischen menschlicher Existenz und der Umwelt. Bernhard bricht mit der romantischen Vorstellung einer heilenden Natur und setzt ihr eine unbezähmbare, indifferente Gewalt entgegen. Der Mensch erscheint in diesem Gefüge als ein Wesen, das durch seinen Verstand zwar zur Reflexion fähig ist, aber letztlich an der Unbegreiflichkeit der Welt scheitert. Diese Ungeheuerlichkeit resultiert aus der Hybris des Menschen, eine Natur beherrschen oder verstehen zu wollen, die ihm wesensfremd bleibt. Es ist ein Kernmotiv Bernhards, die Sinnlosigkeit des Daseins gegen die unerbittliche Objektivität der Materie auszuspielen.In der heutigen Rezeption wird die Passage häufig als prophetische Kritik an der ökologischen Entfremdung gelesen. In literaturwissenschaftlichen und philosophischen Diskursen dient sie als Referenzpunkt für den Pessimismus der Moderne und die Dekonstruktion des Anthropozentrums. Da das Zitat die Ohnmacht des Individuums gegenüber einer übermächtigen Außenwelt präzise zusammenfasst, findet es auch in der aktuellen Popkultur und in Essays über die Klimakrise Verwendung, um das Unbehagen an einer Welt auszudrücken, deren Komplexität sich dem menschlichen Zugriff entzieht.

Thomas Bernhard

Schriftsteller · Deutsch-Österreicher

Thomas Bernhard war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller der Nachkriegszeit, bekannt für seine kompromisslose Gesellschaftskritik und seinen unverwechselbaren, obsessiven Schreibstil.

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