Die Kunst ist nichts anderes als die Kunst, das Leben zu ertragen, und wir müssen diese Kunst jeden Tag aufs Neue lernen.
Man muss sich das Leben so einrichten, dass man es aushält, und man muss es so einrichten, dass man es genießt, so gut es geht.
Hintergrund & Bedeutung
Thomas Bernhard, einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller der Nachkriegszeit, prägte dieses Lebensmotto in einem Spannungsfeld aus schwerer Krankheit und unbändigem Schaffensdrang. Zeit seines Lebens litt er unter einem Lungenleiden, das ihn früh mit der eigenen Endlichkeit konfrontierte. Seine Werke sind oft von einer radikalen Kritik an der Gesellschaft und einer tiefen existentiellen Verzweiflung geprägt. In diesem Kontext ist die Aufforderung zur Selbstbehauptung zu verstehen: Es ist die Reaktion eines Einzelgängers auf eine als feindselig oder absurd empfundene Welt, in der die Gestaltung des Privaten zum letzten Rückzugsort wird. Die Kernidee des Zitats liegt in der dialektischen Verbindung von Aushalten und Genießen. Bernhard postuliert hier keinen naiven Optimismus, sondern einen pragmatischen Stoizismus. Das Leben wird primär als eine Last begriffen, die durch bewusste Strukturierung und ästhetische oder intellektuelle Genüsse erträglich gemacht werden muss. Es spiegelt Bernhards eigene Lebensführung wider, der sich trotz seiner Misanthropie mit schönen Dingen, Musik und Architektur umgab, um der existentiellen Leere zu trotzen. Diese Haltung ordnet sich in sein Gesamtwerk ein, das stets die Balance zwischen Vernichtungswillen und Lebensgier sucht. Heute wird der Ausspruch häufig als lebensphilosophischer Leitfaden zitiert, wenn es um Resilienz und Selbstfürsorge geht. Er findet Verwendung in literarischen Analysen ebenso wie in der Alltagskultur, da er die moderne Zerrissenheit zwischen Pflichtgefühl und dem Streben nach individuellem Glück präzise auf den Punkt bringt. Die zeitlose Relevanz ergibt sich aus der schonungslosen Ehrlichkeit, mit der Bernhard das Leben als eine Aufgabe beschreibt, die aktives Handeln erfordert, um nicht an ihr zu zerbrechen.
