Die Kunst ist nichts anderes als die Kunst, das Leben zu ertragen, und wir müssen diese Kunst jeden Tag aufs Neue lernen.
Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.
Hintergrund & Bedeutung
Thomas Bernhard lieferte diesen Satz im Jahr 1968 während seiner Dankesrede zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Literatur. Inmitten des feierlichen Rahmens im Wiener Unterrichtsministerium löste er einen massiven Skandal aus, da er die anwesenden Honoratioren und den Staat selbst scharf angriff. Bernhard, dessen Leben durch eine schwere Lungenerkrankung und die ständige Nähe zum Sterben geprägt war, nutzte die Bühne nicht für Dankbarkeit, sondern für eine radikale Abrechnung mit der österreichischen Selbstgefälligkeit der Nachkriegszeit.Die Aussage artikuliert Bernhards zentrale philosophische Überzeugung: Die Allgegenwart des Todes entlarvt alle menschlichen Bestrebungen, Institutionen und gesellschaftlichen Zeremonielle als substanzlose Komödie. Wenn das Ende unausweichlich und absolut ist, verlieren Machtansprüche und bürgerlicher Stolz ihre Ernsthaftigkeit. Diese existenzielle Perspektive zieht sich durch sein gesamtes Werk, in dem er das Leben oft als ein sinnloses, aber notwendiges Weitermachen in einer absurden Welt beschreibt.Heute gilt der Satz als Inbegriff des Bernhard’schen Nihilismus und wird weit über die Literaturwissenschaft hinaus zitiert. Er findet Verwendung in philosophischen Diskursen über die Conditio humana sowie in der Popkultur als Ausdruck einer lakonischen, fast humorvollen Verzweiflung. In einer Gesellschaft, die den Tod oft verdrängt, dient das Zitat als provokante Erinnerung an die menschliche Endlichkeit und als Werkzeug, um künstlich aufgeblasene Autoritäten und gesellschaftliche Konventionen zu dekonstruieren.
