Wissenschaft kann nicht die letzte Wahrheit sein. Sie ist immer ein Streben, niemals ein Erreichen, niemals ein Besitzen der absoluten Wahrheit.
Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben.
Hintergrund & Bedeutung
Max Planck formulierte diese Beobachtung in seiner 1948 posthum veröffentlichten „Wissenschaftlichen Selbstbiographie“. Der Text entstand gegen Ende seines Lebens, als er auf die revolutionären Umbrüche der Physik im frühen 20. Jahrhundert zurückblickte. Planck selbst war eine tragende Figur dieses Wandels: Obwohl er mit der Entdeckung des Wirkungsquantums den Grundstein für die Quantenphysik legte, rang er zeitlebens mit den radikalen Konsequenzen seiner eigenen Erkenntnisse, die das klassische Weltbild erschütterten. Seine Reflexion entsprang der Erfahrung, dass etablierte Wissenschaftler oft unfähig sind, tief verwurzelte Überzeugungen zugunsten neuer Paradigmen aufzugeben.Die Kernbotschaft, oft als „Plancksches Prinzip“ bezeichnet, beschreibt den wissenschaftlichen Fortschritt nicht als rein rationalen Überzeugungsprozess, sondern als einen Generationenwechsel. Planck vertrat die Ansicht, dass intellektuelle Flexibilität biologisch begrenzt ist. Neue Wahrheiten setzen sich demnach nicht durch logische Argumentation in den Köpfen der Zeitgenossen durch, sondern erst dann, wenn eine neue Generation mit diesen Ideen aufwächst und sie als selbstverständlich akzeptiert. Dies rückt die menschliche Psychologie und die Trägheit des Denkens in das Zentrum der Wissenschaftstheorie.Heute gilt das Zitat als Standardreferenz in der Wissenschaftsphilosophie, insbesondere im Zusammenhang mit Thomas Kuhns Theorie der Paradigmenwechsel. Es wird häufig herangezogen, um den Widerstand gegen Innovationen in Institutionen, der Politik oder der Wirtschaft zu illustrieren. In der Popkultur und im Alltagsdiskurs dient es als sarkastischer Kommentar auf die Unbelehrbarkeit des Menschen und erinnert daran, dass Fortschritt oft erst durch den natürlichen Lauf der Zeit ermöglicht wird.
