Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär, und der bleierne Schatten, der niederfällt, lastet grabesschwer.
Dichterin, Schriftstellerin, Zeichnerin Weltende (Poem), 1905
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Hintergrund & Bedeutung

Else Lasker-Schüler veröffentlichte das Gedicht „Weltende“ im Jahr 1905 in ihrem zweiten Lyrikband „Der siebente Tag“. Die Entstehungszeit fällt in die Epoche des frühen Expressionismus, in der viele Künstler eine tiefe Verunsicherung gegenüber der rasanten Modernisierung und den starren gesellschaftlichen Strukturen des Kaiserreichs empfanden. Persönlich war das Leben der Dichterin von einer prekären Existenz als Bohemienne in Berlin und dem schmerzhaften Verlust ihrer Mutter geprägt. Diese individuellen und kollektiven Krisenerfahrungen verdichteten sich zu einer apokalyptischen Grundstimmung, die nicht politisch, sondern existenziell und religiös motiviert war. Die Zeilen beschreiben den radikalen Verlust von Transzendenz und Geborgenheit. Die Metapher vom Tod Gottes greift das Motiv Friedrich Nietzsches auf, transformiert es jedoch in eine tiefe, subjektive Trauer. Der „bleierne Schatten“ symbolisiert eine bleibende Melancholie und die Last einer Welt, die ihren spirituellen Anker verloren hat. Für Lasker-Schüler war die Welt untrennbar mit dem Göttlichen und dem Zwischenmenschlichen verbunden; bricht diese Verbindung, bleibt nur eine grabesschwere Einsamkeit zurück. Das Zitat gilt heute als eine der bedeutendsten Chiffren für die existenzielle Angst der Moderne. Es wird in der Literaturwissenschaft als Paradebeispiel expressionistischer Lyrik analysiert und findet in der Trauerarbeit sowie in philosophischen Diskursen über den Nihilismus regelmäßig Verwendung. Die zeitlose Bildsprache sorgt dafür, dass die Verse auch in der Popkultur und in aktuellen Krisenzeiten zitiert werden, um ein Gefühl der totalen Entfremdung und des Weltschmerzes auszudrücken.

Else Lasker-Schüler

Dichterin, Schriftstellerin, Zeichnerin · Deutsch

Else Lasker-Schüler war eine herausragende deutsch-jüdische Dichterin und Zeichnerin, die als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des Expressionismus und Wegbereiterin der literarischen Moderne gilt.

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