Ich bin ein Kind des Orients, und meine Seele ist ein Garten, in dem die Blumen der Sehnsucht blühen, und ich pflücke sie für die Menschen, die mich verstehen.
Zitate von Else Lasker-Schüler
Else Lasker-Schüler war eine herausragende deutsch-jüdische Dichterin und Zeichnerin, die als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des Expressionismus und Wegbereiterin der literarischen Moderne gilt.
11 Zitate
Else Lasker-Schüler wurde 1869 in Elberfeld als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Ihr Leben war geprägt von einem radikalen Bruch mit bürgerlichen Konventionen und einer tiefen Hingabe zur Kunst. Nach ihrer Heirat mit dem Arzt Jonathan Lasker zog sie nach Berlin, wo sie sich schnell im Zentrum der literarischen Avantgarde etablierte. In zweiter Ehe mit Herwarth Walden verheiratet, wurde sie zur zentralen Figur des Expressionismus. Ihr Alltag war untrennbar mit ihrer künstlerischen Identität verwoben; sie trat oft in phantasievollen Kostümen auf und erschuf für sich und ihre Freunde ein mythologisches Alter Ego, wie etwa den ‚Prinz Jussuf von Theben‘. Diese Inszenierung war kein bloßes Spiel, sondern Ausdruck einer existenziellen Suche nach einer poetischen Wahrheit jenseits der profanen Realität.
Ihr Denken war von einer tiefen Sehnsucht nach Versöhnung und Spiritualität durchdrungen. In ihrem Werk verschmelzen jüdische Mystik, christliche Motive und orientalische Bildwelten zu einer einzigartigen lyrischen Sprache. Lasker-Schülers Überzeugungen waren nicht politisch-programmatisch im klassischen Sinne, sondern wurzelten in einer radikalen Subjektivität und der Verherrlichung der Liebe als kosmische Kraft. Themen wie Einsamkeit, die Suche nach Gott und die Sehnsucht nach einem utopischen ‚Hebräerland‘ kehren in ihren Gedichten und Prosawerken stetig wieder. Ihre Sprache ist dabei von einer hohen Bildintensität und emotionalen Dichte geprägt, die das Unaussprechliche greifbar machen will.
Das Vermächtnis von Else Lasker-Schüler ist von unschätzbarem Wert für die deutschsprachige Literatur. Trotz der Verfolgung durch die Nationalsozialisten, die sie 1933 zur Flucht in die Schweiz und später nach Jerusalem zwang, blieb ihre Stimme ungebrochen. Sie revolutionierte die Lyrik durch die Auflösung traditioneller Formen und die Einführung einer hochemotionalen, bildgewaltigen Diktion. Heute wird sie nicht nur als literarisches Genie, sondern auch als Symbolfigur für eine grenzüberschreitende Identität und den interkulturellen Dialog gewürdigt. Ihre Werke werden bis heute gelesen und diskutiert, da sie zeitlose Fragen nach Zugehörigkeit, Exil und der transformativen Kraft der Kunst stellen.
Ich kann nicht mehr leben, ich bin so müde, mein Herz ist so schwer, und die Welt ist so leer, und ich habe so Heimweh nach einem Menschen, der mich…
Ich bin müde, meine Seele ist so schwer von den vielen Tränen, die ich geweint habe, und ich habe so Heimweh nach der Welt und nach mir selbst.
Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär, und der bleierne Schatten, der niederfällt, lastet grabesschwer.
Ich liebe dich, und ich finde dich überall, wo ich gehe, und ich sehe dich in allem, was ich sehe, und ich höre dich in allem, was ich höre.
Ich habe so Heimweh nach der Welt und nach mir selbst. Ich bin so müde und meine Seele ist so schwer von den vielen Tränen, die ich geweint habe.
Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen. Wir wollen wachen die Nacht, wir wollen beten in den Sprachen, die wie Harfen eingeschnitten sind.
Ich habe dich gewählt unter allen Sternen, und bin wach geworden – ein glühender Wein. Ich habe dich getrunken mit dem ersten Durst, und die Welt ist mir fern.
Ich suche allerwegen nach einer Stadt, die einen Engel vor der Pforte hat. Ich habe mir die Flügel wund geschlagen, und doch ich möchte noch so vieles sagen.
Meine Seele ist ein Zelt, das ich in die Sterne aufschlage.
