Glaube ist ein lebendig, geschäftig Ding, das nicht kann müßig sein, sondern es muss immerdar etwas Gutes wirken, ohne Unterlass.
Theologe und Reformator Vorrede auf die Epistel S. Pauli an die Römer, 1522
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Hintergrund & Bedeutung

Martin Luther verfasste diese Zeilen im Jahr 1522 als Teil seiner berühmten Vorrede zum Römerbrief, die er während seines Aufenthalts auf der Wartburg und der anschließenden Rückkehr nach Wittenberg ausarbeitete. In dieser Phase der Reformation war es Luthers zentrales Anliegen, das Verständnis des christlichen Glaubens von der mittelalterlichen Vorstellung der Werkgerechtigkeit zu befreien. Er wollte verdeutlichen, dass der Mensch nicht durch formale religiöse Handlungen vor Gott gerechtfertigt wird, sondern allein durch das Vertrauen auf die göttliche Gnade. Die Vorrede diente dazu, den Lesern seiner deutschen Bibelübersetzung den theologischen Kern des Apostels Paulus nahezubringen. Die Aussage definiert den Glauben als eine dynamische Kraft, die unweigerlich zu ethischem Handeln führt. Luther wendet sich gegen ein Missverständnis seiner Lehre, wonach der Glaube passiv oder gleichgültig gegenüber dem Nächsten mache. Für ihn ist der Glaube keine theoretische Zustimmung zu Dogmen, sondern eine innere Verwandlung durch den Heiligen Geist. Wer wahrhaft glaubt, kann gar nicht anders, als Gutes zu tun; die guten Werke folgen dem Glauben so natürlich, wie die Wärme dem Feuer folgt. Damit etabliert Luther eine untrennbare Einheit von innerer Überzeugung und äußerer Tat. In der heutigen Rezeption dient der Satz oft als Brücke zwischen protestantischer Innerlichkeit und sozialem Engagement. Er wird in der Diakonie, in theologischen Debatten über das Verhältnis von Religion und Ethik sowie in der Bildungsarbeit zitiert, um die Relevanz religiöser Überzeugungen für die Gesellschaft zu betonen. Das Zitat bleibt aktuell, da es die Frage nach der Authentizität menschlichen Handelns stellt und fordert, dass Überzeugungen im Alltag sichtbar werden müssen.

Martin Luther

Theologe und Reformator · Deutsch

Martin Luther war ein deutscher Theologe und der geistige Vater der Reformation, der durch seine Kritik am Ablasshandel und seine Bibelübersetzung die europäische Kirchengeschichte und die deutsche Sprache nachhaltig prägte.

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