Man darf nie stehen bleiben. Das ist wie beim Fahrradfahren: Wenn man aufhört zu treten, dann fällt man um. Man muss immer in Bewegung bleiben.
Ich bin ein Mode-Designer, ich bin ein Mode-Zeichner, ich bin ein Mode-Fotograf und ich bin ein Mode-Verleger. Ich mache alles, was mit Mode zu tun hat, aber ich mache es nicht alles gleichzeitig.
Hintergrund & Bedeutung
In einem ausführlichen Fernsehinterview mit dem ZDF im Jahr 2011 reflektierte Karl Lagerfeld über seine beispiellose Karriere und seinen Status als globaler Fixstern der Luxusindustrie. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit Jahrzehnten Kreativdirektor von Chanel und Fendi sowie Kopf seines eigenen Labels. Das Gespräch fand in einer Phase statt, in der die Modewelt zunehmend von einer Beschleunigung der Kollektionszyklen und einer Kommerzialisierung der Designerpersönlichkeit geprägt war. Lagerfeld nutzte den Moment, um die Vielschichtigkeit seines Schaffens zu betonen, das weit über das bloße Entwerfen von Kleidung hinausging und die visuelle Identität ganzer Markenwelten durch Fotografie und Publizistik definierte.
Die Aussage unterstreicht Lagerfelds Selbstverständnis als universeller Ästhet und Handwerker, der die strikte Trennung von Disziplinen ablehnte. Er begriff Mode als ein ganzheitliches kulturelles Phänomen, das eine kohärente Vision über verschiedene Medien hinweg erfordert. Die Einschränkung, nicht alles gleichzeitig zu tun, offenbart dabei seine Arbeitsdisziplin und seinen Fokus: Er widmete sich jeder Aufgabe mit obsessiver Hingabe, um die notwendige Präzision zu gewährleisten. Es ist ein Plädoyer für die totale Kontrolle über den kreativen Prozess bei gleichzeitiger Anerkennung der eigenen zeitlichen Kapazitäten.
Heute wird diese Passage oft zitiert, um das Ideal des modernen Multitalents oder der 'Personal Brand' zu illustrieren. In der Popkultur und in Management-Seminaren dient sie als Beispiel für effizientes Zeitmanagement und die Diversifizierung von Talenten. Lagerfelds Worte bleiben aktuell, da sie den Übergang vom klassischen Modeschöpfer zum multidisziplinären Content-Creator vorwegnahmen. Sie werden immer dann herangezogen, wenn es darum geht, die Notwendigkeit von Vielseitigkeit in einer spezialisierten Arbeitswelt zu diskutieren, ohne dabei die handwerkliche Tiefe zu opfern.
