Ich bin ein Mode-Designer, ich bin ein Mode-Zeichner, ich bin ein Mode-Fotograf und ich bin ein Mode-Verleger. Ich mache alles, was mit Mode zu tun hat, aber ich mache es…
Ich bin wie eine Art Karikatur von mir selbst, und ich mag das. Es ist wie eine Maske. Für mich ist der Karneval in Venedig das ganze Jahr über.
Hintergrund & Bedeutung
In einem Interview mit der Welt am Sonntag im Jahr 2011 reflektierte Karl Lagerfeld über seine öffentliche Persona und sein ikonisches Erscheinungsbild, das zu diesem Zeitpunkt längst zum globalen Markenzeichen geworden war. Die späten Berufsjahre des Modeschöpfers waren geprägt von einer konsequenten Stilisierung seiner selbst: der gepuderte Zopf, die dunkle Sonnenbrille, die hohen Kragen und die fingerlosen Handschuhe bildeten eine unverwechselbare Uniform. In einer Ära, in der die Modeindustrie zunehmend von Konzernen und messbaren Marketingstrategien dominiert wurde, behauptete Lagerfeld durch diese bewusste Selbstinszenierung seine Rolle als exzentrischer, aber unangreifbarer Fixpunkt der Branche. Die Aussage unterstreicht seine Überzeugung, dass Identität in der Öffentlichkeit ein gestaltbares Artefakt ist. Er begriff sein Äußeres nicht als authentisches Abbild seines Inneren, sondern als Schutzschild und künstlerisches Projekt zugleich. Die Metapher des venezianischen Karnevals verdeutlicht dabei sein Verständnis von Leben als permanentes Spiel und Performance, bei dem die Maske dem Träger paradoxerweise die Freiheit verleiht, sich hinter der Fassade zu verbergen und gleichzeitig omnipräsent zu sein. Er entzog sich der Forderung nach bürgerlicher Nahbarkeit, indem er sich selbst zum Logo stilisierte. Heute wird diese Passage häufig zitiert, um die Mechanismen des modernen Personal Branding und der Selbstvermarktung zu illustrieren. In der Popkultur und der Designtheorie gilt das Zitat als Schlüssel zum Verständnis Lagerfelds, da es die Grenze zwischen Mensch und Kunstfigur verwischt. Es findet regelmäßig Verwendung in biografischen Rückblicken und kunsthistorischen Analysen, wenn es darum geht, wie Individuen im digitalen Zeitalter ihre eigene Ikonografie erschaffen und kontrollieren können.
