Ich bin eine seriöse Person, ich bin keine Serienmörderin, ich würde niemals jemanden verletzen, es sei denn, ich würde angegriffen.
Ich bin eine Mörderin. Ich würde wieder töten. Ich musste töten, um zu überleben, und ich bin nicht gegangen und habe Menschen ausgeraubt und getötet, die sich nicht wehren konnten.
Hintergrund & Bedeutung
Aileen Wuornos äußerte diese Worte im Jahr 1992 während eines Interviews mit dem Dokumentarfilmer Nick Broomfield. Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich bereits in der Todeszelle in Florida, verurteilt für die Morde an sieben Männern zwischen 1989 und 1990. Ihr Leben war geprägt von extremer Armut, Missbrauch und einer Existenz am Rande der Gesellschaft als Sexarbeiterin auf Autobahnraststätten. Der Moment des Interviews war von einem tiefen Misstrauen gegenüber dem Justizsystem und den Medien gezeichnet, denen sie vorwarf, ihre Geschichte gewinnbringend zu vermarkten, während sie selbst als monströse Ausnahmeerscheinung stigmatisiert wurde.
Die Aussage spiegelt Wuornos' unerschütterliche Überzeugung wider, dass ihre Taten Akte der Notwehr waren. Sie lehnt die Opferrolle ab und definiert ihr Handeln als notwendige Überlebensstrategie in einer feindseligen Umwelt. Indem sie betont, keine wehrlosen Menschen angegriffen zu haben, konstruiert sie einen moralischen Kodex, der sich von klassischer Kriminalität abhebt. In ihrem Selbstverständnis war sie keine Raubmörderin, sondern eine Frau, die auf die strukturelle und physische Gewalt reagierte, der sie in ihrem Berufsalltag ständig ausgesetzt war. Das Zitat verdeutlicht ihren Trotz gegenüber einer Gesellschaft, die sie erst im Stich ließ und dann verurteilte.
Heute wird diese Passage häufig in kriminologischen und feministischen Diskursen rezipiert, um die Komplexität weiblicher Gewalt und die Auswirkungen systemischer Vernachlässigung zu analysieren. In der Popkultur, insbesondere durch den Film 'Monster', wurde Wuornos zur tragischen Ikone stilisiert. Das Zitat dient dabei oft als Ausgangspunkt für Debatten über die Grenze zwischen Selbstverteidigung und Rache sowie über die Frage, wie die Biografie eines Täters dessen moralische Zurechnungsfähigkeit beeinflusst.
