Ich bin eine Mörderin. Ich würde wieder töten. Ich musste töten, um zu überleben, und ich bin nicht gegangen und habe Menschen ausgeraubt und getötet, die sich nicht wehren konnten.
Ich bin eine seriöse Person, ich bin keine Serienmörderin, ich würde niemals jemanden verletzen, es sei denn, ich würde angegriffen.
Hintergrund & Bedeutung
Aileen Wuornos äußerte diese Worte im Jahr 1992 während eines Interviews mit dem Dokumentarfilmer Nick Broomfield, kurz nachdem sie wegen mehrfachen Mordes zum Tode verurteilt worden war. Zu diesem Zeitpunkt stand Wuornos im Zentrum eines medialen Sturms, der sie als Amerikas erste weibliche Serienmörderin stilisierte. Der Entstehungskontext ist geprägt von ihrer traumatischen Biografie, jahrelanger Prostitution und der Überzeugung, dass die Justiz sowie die Öffentlichkeit ihre Taten aus dem Zusammenhang ihrer persönlichen Notwehrsituationen gerissen hatten. Sie befand sich in einer Phase, in der sie verzweifelt versuchte, die Kontrolle über ihr Narrativ zurückzugewinnen, während ihre Geschichte bereits kommerziell vermarktet wurde.
Inhaltlich spiegelt das Zitat Wuornos' beharrliche Verteidigungsstrategie wider: Sie sah sich selbst nicht als Raubtier, sondern als Opfer systemischer Gewalt, das lediglich auf existenzielle Bedrohungen reagierte. Die Kernidee ist die strikte Ablehnung des Etiketts 'Serienmörderin', welches für sie eine geplante Bösartigkeit implizierte, die sie für sich selbst abstritt. In ihrem Denken waren die Tötungen keine Akte der Aggression, sondern notwendige Reaktionen innerhalb eines feindseligen Umfelds. Diese Selbstdarstellung als 'seriöse Person' verdeutlicht den tiefen Wunsch nach menschlicher Würde und Anerkennung ihrer subjektiven Wahrheit trotz der objektiven Beweislast.
Heute wird diese Aussage vor allem in der Popkultur und der Kriminologie rezipiert, um die Komplexität weiblicher Gewalt und die psychologischen Abwehrmechanismen von Tätern zu illustrieren. Das Zitat taucht regelmäßig in True-Crime-Dokumentationen und feministischen Diskursen auf, wenn es darum geht, wie Gesellschaft und Medien Frauen bewerten, die Gewalt anwenden. Es dient als mahnendes Beispiel für die Diskrepanz zwischen der medialen Monster-Konstruktion und der fragmentierten, oft widersprüchlichen Selbstwahrnehmung einer traumatisierten Täterin.
