Die Menschen sind so sehr an das Äußere gewöhnt, dass sie das Innere oft für das Äußere halten, und umgekehrt, und so leben sie in einer ständigen Täuschung.
Zitate von Søren Kierkegaard
Søren Kierkegaard war ein dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller, der als Begründer der Existenzphilosophie gilt und die individuelle Subjektivität ins Zentrum seines Denkens rückte.
17 Zitate
Søren Aabye Kierkegaard wurde 1813 in Kopenhagen in eine wohlhabende, aber streng religiöse Familie geboren. Sein Vater, Michael Pedersen Kierkegaard, war von tiefen Schuldgefühlen und einer melancholischen Frömmigkeit geprägt, die das Weltbild des Sohnes nachhaltig beeinflussten. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Kopenhagen führte ein einschneidendes privates Ereignis zu seinem eigentlichen schriftstellerischen Durchbruch: die Lösung der Verlobung mit Regine Olsen. Dieser radikale Bruch zwang Kierkegaard in eine Außenseiterrolle und wurde zum Katalysator für sein umfangreiches Werk, das er oft unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte, um unterschiedliche Lebensentwürfe dialektisch gegeneinander abzuwägen. Kierkegaards Denken ist eine leidenschaftliche Reaktion auf den damals vorherrschenden Idealismus Hegels. Während Hegel versuchte, die Welt in einem geschlossenen rationalen System zu erklären, betonte Kierkegaard die Unhintergehbarkeit der individuellen Existenz. Für ihn ist Wahrheit nicht objektiv-abstrakt, sondern subjektiv-aneignend. Er entwickelte das Konzept der drei Stadien auf dem Lebensweg: das ästhetische, das ethische und das religiöse Stadium. Zentral sind dabei Begriffe wie Angst, Verzweiflung und die Entscheidung. Die Angst wird bei Kierkegaard nicht als rein negatives Gefühl, sondern als Schwindel der Freiheit verstanden, der den Menschen mit der Notwendigkeit konfrontiert, selbstverantwortlich zu wählen. In seinen späteren Jahren verschärfte sich seine Kritik an der dänischen Staatskirche, der er vorwarf, das Christentum zu einer bloßen bürgerlichen Gewohnheit herabgestuft zu haben. Das Vermächtnis Kierkegaards ist kaum zu überschätzen. Obwohl er zu Lebzeiten außerhalb Dänemarks wenig beachtet wurde, beeinflusste seine Wiederentdeckung im frühen 20. Jahrhundert maßgeblich die moderne Philosophie und Theologie. Denker wie Jean-Paul Sartre, Martin Heidegger und Karl Jaspers bauten auf seinen Analysen der menschlichen Befindlichkeit auf. Auch in der Literatur und Psychologie hinterließ er tiefe Spuren, da seine Auseinandersetzung mit der Paradoxie des Glaubens und der Einsamkeit des Einzelnen zeitlose Fragen der menschlichen Identität berührt. Seine Texte werden heute als radikale Plädoyers für die Authentizität gelesen, die den Menschen dazu auffordern, sich nicht in der Masse zu verlieren, sondern die Last und Würde der eigenen Freiheit anzunehmen.
Die Menschen verstehen mich so wenig, dass sie nicht einmal meine Klage darüber verstehen, dass sie mich nicht verstehen.
Es gibt eine Menge Leute, die durch das Leben gehen, als wären sie bereits gestorben, und die sich nur deshalb noch bewegen, weil sie es für unanständig halten, zu beerdigen,…
Die Reinheit des Herzens ist, eines zu wollen.
Es ist eine Kunst, die man lernen muss, sich in der Freude zu üben, und eine Kunst, die man lernen muss, sich nicht durch das Leid, das unvermeidlich ist, beirren…
Die Welt will betrogen sein, und der Betrug ist das, was sie am meisten liebt, weil sie in der Wahrheit nicht leben kann.
Die Tür zum Glück geht nach außen auf; wer sie einzudrücken versucht, der verschließt sie sich gerade.
Das Höchste, was ein Mensch für den andern tun kann, ist, ihn auf sich selbst aufmerksam zu machen, ihn sich selbst zu geben.
Werden wir erst einmal still, dann wird alles Übrige sich schon finden; denn in der Stille ist das Göttliche, und das ist das einzig Notwendige.
Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
