Ich möchte die Grenzen abtasten, die uns Menschen gesetzt sind, und ich möchte das Unmögliche möglich machen, indem ich die Dinge neu ordne und ihnen einen neuen Sinn gebe.
Ich bin überzeugt, dass die Fotomontage, die wir damals erfanden, noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt ist, sondern dass sie eine der lebendigsten Ausdrucksformen unserer Zeit bleiben wird.
Hintergrund & Bedeutung
Hannah Höch verfasste diese Zeilen im Jahr 1968 in einem Brief an ihre Freunde, als sie bereits auf ein langes Lebenswerk zurückblickte. Zu diesem Zeitpunkt war die Künstlerin fast 80 Jahre alt und reflektierte die Anfänge der Dada-Bewegung im Berlin der 1920er Jahre. Während die Welt um sie herum durch die Studentenproteste und den gesellschaftlichen Umbruch der späten 1960er Jahre erneut in Bewegung geriet, erkannte Höch die zeitlose Relevanz der von ihr mitbegründeten Technik. Die Fotomontage war für sie kein abgeschlossenes Kapitel der Kunstgeschichte, sondern ein Werkzeug, das in einer zunehmend mediatisierten Welt an Bedeutung gewann. Die Kernbotschaft liegt in der Überzeugung, dass die Neuzusammensetzung von Realitätsfragmenten eine universelle Sprache darstellt. Höch verstand die Fotomontage als subversive und zugleich konstruktive Methode, um die Flut an visuellen Informationen zu bändigen und kritisch zu hinterfragen. Für sie war das Verfahren weit mehr als eine bloße Collage; es war ein Instrument der Emanzipation und der gesellschaftlichen Analyse, das starre Sehgewohnheiten aufbrach. Diese Sichtweise unterstreicht ihren Glauben an die Wandlungsfähigkeit der Kunst, die sich stets an neue technologische und soziale Gegebenheiten anpassen kann. Heute wird die Aussage oft herangezogen, um die Brücke von der klassischen Moderne zur digitalen Bildbearbeitung und zur Remix-Kultur des Internets zu schlagen. In kunsthistorischen Diskursen dient das Zitat als Beleg für die visionäre Kraft der Dadaisten, während es in der Popkultur als Rechtfertigung für Sampling und Mashups fungiert. Es verdeutlicht, warum Höchs Pionierarbeit im Zeitalter von Photoshop und Künstlicher Intelligenz aktueller denn je erscheint.
