Ich möchte die Grenzen zwischen den Künsten verwischen, ich möchte, daß das Leben selbst zur Kunst wird und die Kunst zum Leben, in einer ständigen Bewegung und Erneuerung.
Ich möchte die Grenzen abtasten, die uns Menschen gesetzt sind, und ich möchte das Unmögliche möglich machen, indem ich die Dinge neu ordne und ihnen einen neuen Sinn gebe.
Hintergrund & Bedeutung
Hannah Höch formulierte diesen Leitgedanken vor dem Hintergrund der radikalen Umbrüche der frühen Moderne, insbesondere während ihrer Zeit in der Berliner Dada-Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg. In einer Ära, die von gesellschaftlicher Fragmentierung und dem Zusammenbruch alter Werteordnungen geprägt war, suchte sie nach einer neuen künstlerischen Sprache. Als einzige Frau im engeren Kreis der Berliner Dadaisten musste sie sich zudem gegen patriarchale Strukturen behaupten, was ihren Wunsch, Grenzen abzutasten und bestehende Hierarchien durch Neuanordnung zu überwinden, sowohl künstlerisch als auch biografisch motivierte. Die Aussage reflektiert ihre Pionierarbeit in der Fotomontage, bei der sie Bildfragmente aus ihrem ursprünglichen Kontext riss, um sie zu einer neuen, oft gesellschaftskritischen Realität zusammenzufügen. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Welt nicht statisch ist, sondern durch den schöpferischen Akt der Rekombination transformiert werden kann. Höch verstand das 'Unmögliche' nicht als utopische Träumerei, sondern als das Potenzial, durch die Dekonstruktion des Bestehenden neue Bedeutungsebenen und Freiheiten zu erschließen. Heute wird dieses Zitat vor allem in Diskursen über kreative Innovation, feministische Kunstgeschichte und die psychologische Resilienz verwendet. Es dient als Referenzpunkt für die transformative Kraft der Kunst und wird häufig zitiert, wenn es darum geht, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen. In der modernen Popkultur und Designlehre steht es stellvertretend für die Technik des Remixing als kulturelle Praxis, die weit über die bildende Kunst hinausgeht.
