Ich habe immer versucht, in meinen Liedern die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie manchmal wehtut, denn nur so kann man eine echte Verbindung zu den Menschen aufbauen.
Mer muss sich och jünne künne, dat mer jetz he es un dat mer jetz he jet ze dunn hätt un dat mer dat jenieße darf.
Hintergrund & Bedeutung
Wolfgang Niedecken, der als Frontmann der Band BAP die kölsche Mundart in die deutsche Rockmusik integrierte, prägte diesen Ausspruch vorwiegend in Interviews und Gesprächen über seine Lebensphilosophie. In einer Zeit, die von Leistungsdruck und einer zunehmenden Beschleunigung des Alltags geprägt ist, reflektiert Niedecken hierbei seine eigene Rolle als Künstler und Mensch. Der Kontext ist oft die rheinische Gelassenheit, die er nicht nur als regionales Klischee, sondern als tief verwurzelte Überzeugung gegen den grassierenden Pessimismus versteht. Es ist der Ausdruck eines Mannes, der die Nachkriegszeit und die gesellschaftlichen Umbrüche der 1960er Jahre miterlebt hat und nun nach einer Balance zwischen politischem Engagement und persönlichem Glück sucht. Die Kernbotschaft liegt in der bewussten Bejahung der Gegenwart und der Akzeptanz der eigenen Aufgabe. Niedecken plädiert für die Fähigkeit, sich selbst die Erlaubnis zum Genuss zu geben, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu empfinden. Es geht um die Überwindung von Selbstzweifeln und die Erkenntnis, dass das Hier und Jetzt einen Eigenwert besitzt. In seinem Denken ist diese Haltung eng mit dem kölschen 'Jönne künne' verknüpft – dem gönnen Können –, was sowohl anderen als auch sich selbst gegenüber gilt. Arbeit wird hier nicht als Last, sondern als sinnstiftendes Tun begriffen, das Freude bereiten darf. Heute fungiert das Zitat als populäres Mantra für Achtsamkeit und Lebensfreude, weit über die Grenzen des Rheinlands hinaus. Es wird in der Popkultur und im Alltag oft zitiert, wenn es darum geht, dem Optimismus Vorrang vor der Resignation zu geben. Niedeckens Worte dienen als Brücke zwischen einer bodenständigen Tradition und einer modernen Lebensführung, die den Moment als kostbares Gut wertschätzt.
