Mut ist zu wissen, was man nicht fürchten soll.
Philosoph Laches (196d)
26

Hintergrund & Bedeutung

Platon verfasste den Dialog 'Laches' vermutlich in seiner frühen Schaffensphase nach dem Tod des Sokrates im Jahr 399 v. Chr. In dieser Phase widmete er sich verstärkt der Definition ethischer Grundbegriffe, den sogenannten Kardinaltugenden. Der Dialog spielt in einer Zeit, in der Athen nach den Erschütterungen des Peloponnesischen Krieges seine moralische Identität suchte. Sokrates diskutiert darin mit den Feldherren Laches und Nikias über die Natur der Tapferkeit und die Frage, ob diese erlernbar sei. Die historische Situation erforderte eine Neubewertung soldatischer Tugenden jenseits von blindem Wagemut. Die Definition der Tapferkeit als eine Form des Wissens spiegelt Platons Überzeugung wider, dass Tugend untrennbar mit Erkenntnis verbunden ist. Mut wird hier nicht als bloßer Affekt oder physische Furchtlosigkeit verstanden, sondern als die rationale Fähigkeit, zwischen begründeten Gefahren und unbegründeten Ängsten zu unterscheiden. Wer weiß, was wirklich bedrohlich für die Seele oder das Gemeinwohl ist, handelt besonnen. Damit ordnet Platon den Mut der Vernunft unter und grenzt ihn scharf von Tollkühnheit ab, die lediglich auf Unwissenheit basiert. Heute wird dieser Gedanke häufig in der Psychologie und Managementlehre aufgegriffen, um den Unterschied zwischen Risikoanalyse und blindem Vertrauen zu verdeutlichen. In einer komplexen Welt dient das Zitat als Mahnung, dass wahre Stärke aus Reflexion und Bildung erwächst. Es findet sich in der Ratgeberliteratur ebenso wie in philosophischen Diskursen über Zivilcourage, da es den Fokus von der emotionalen Überwindung hin zur intellektuellen Urteilskraft verschiebt.

Platon

Philosoph · Altgriechisch

Platon war ein antiker griechischer Philosoph und Sch?ler des Sokrates, der mit der Gründung der Akademie in Athen und seiner Ideenlehre das Fundament der abendländischen Philosophie legte.

Alle Zitate von Platon →