Mut ist zu wissen, was man nicht fürchten soll.
Wer also ein richtiges Leben führen will, der darf weder sich selbst noch das Seinige am meisten lieben, sondern nur das Gerechte, mag es nun von ihm selbst oder von einem anderen getan werden.
Hintergrund & Bedeutung
Platon verfasste die Nomoi (Gesetze) als sein umfangreichstes Spätwerk in der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr., vermutlich kurz vor seinem Tod. Im Gegensatz zur idealistischen Politeia entwirft er hier einen realistischeren Plan für einen Zweitbesten Staat namens Magnesia. Das Werk entstand vor dem Hintergrund politischer Instabilität in der griechischen Welt und Platons persönlichen Enttäuschungen bei dem Versuch, in Syrakus einen Philosophenherrscher zu etablieren. In Buch V widmet er sich der moralischen Erziehung der Bürger und warnt vor der übermäßigen Selbstliebe, die er als Ursache für menschliche Verfehlungen identifiziert. Die Passage fordert eine radikale Objektivität gegenüber der Wahrheit und dem Recht. Platon argumentiert, dass die Fixierung auf das eigene Ego das Urteilsvermögen trübt und den Blick für das objektiv Gute verstellt. Wahre Tugend zeigt sich für ihn darin, Gerechtigkeit unabhängig von der eigenen Person oder dem persönlichen Vorteil anzuerkennen. Dies spiegelt seine Überzeugung wider, dass das Individuum sich einer höheren, universellen Ordnung unterordnen muss, um ein glückseliges Leben zu führen. In der modernen Rezeption dient das Zitat als ethischer Kompass gegen Narzissmus und Parteilichkeit. Es wird in der Moralphilosophie und Rechtslehre herangezogen, um die Notwendigkeit von Unvoreingenommenheit zu betonen. In einer Zeit, die oft von Individualismus geprägt ist, mahnt Platons Forderung zur Bescheidenheit und zur Priorisierung des Gemeinwohls sowie der Wahrheit über das eigene Selbstbild.
