Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in hohem Maße von der Einbildungskraft derer ab, die gerade erst lesen lernen.
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Hintergrund & Bedeutung

Astrid Lindgren äußerte diesen Gedanken in einer Zeit, in der sie sich zunehmend als öffentliche Stimme für die Rechte von Kindern und die Bedeutung der Leseförderung positionierte. Obwohl das Zitat oft als Essenz ihres Lebenswerks zitiert wird, wurzelt es in ihrer tiefen Überzeugung der Nachkriegszeit, dass die Erziehung zu Empathie und freiem Denken der einzige Schutz gegen Totalitarismus und Gewalt sei. Für Lindgren war das Lesen kein bloßer Erwerb einer Kulturtechnik, sondern der Schlüssel zur inneren Freiheit und zur Entwicklung einer moralischen Kompassnadel in einer unsicheren Welt.

Die Aussage unterstreicht die transformative Kraft der Fiktion. Wer liest, lernt, sich in andere hineinzuversetzen und Welten zu entwerfen, die über die unmittelbare Realität hinausgehen. In Lindgrens Weltbild ist die Einbildungskraft kein bloßer Zeitvertreib, sondern eine politische und gesellschaftliche Gestaltungskraft. Wenn Kinder lesen, kultivieren sie die Fähigkeit, Alternativen zum Status quo zu denken. Damit legt die Literatur den Grundstein für eine zukünftige Gesellschaft, die auf Mitgefühl und kreativer Problemlösung statt auf bloßem Gehorsam basiert.

Heute fungiert der Satz als flammendes Plädoyer in der Bildungspolitik und Lesepädagogik. Er wird herangezogen, um die Relevanz von Kinderliteratur in einer zunehmend digitalisierten und zweckorientierten Welt zu betonen. In Bibliotheken, Schulen und bei Preisverleihungen dient er als Mahnung, dass die Investition in die kindliche Fantasie unmittelbar die Qualität der zukünftigen Zivilisation bestimmt. Lindgrens Mahnung bleibt aktuell, da sie die Verantwortung der Erwachsenen betont, Räume für geistiges Wachstum zu schaffen.

Astrid Lindgren

Schriftstellerin · Schwedisch

Astrid Lindgren (1907–2002) war eine weltberühmte schwedische Schriftstellerin, die mit Figuren wie Pippi Langstrumpf die Kinderliteratur revolutionierte und sich zeitlebens leidenschaftlich für Kinderrechte und Pazifismus einsetzte.

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