Wir fühlen uns immer geschmeichelt, wenn man uns für klüger hält, als wir sind, aber wir fühlen uns nie geschmeichelt, wenn man uns für besser hält, als wir sind.
Schriftstellerin Aphorismen (1880)
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Hintergrund & Bedeutung

Marie von Ebner-Eschenbach veröffentlichte diesen Gedanken 1880 in ihrer Sammlung „Aphorismen“. Als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts lebte sie in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der die starren Standesgrenzen des Adels auf die aufstrebenden Werte des Bürgertums trafen. Ihre Beobachtungen entspringen einer tiefen psychologischen Analyse ihrer Mitmenschen und spiegeln den Realismus wider, der ihr literarisches Schaffen prägte. In einem Umfeld, das oft von Etikette und äußerem Schein dominiert war, suchte sie nach der ungeschminkten Wahrheit über den menschlichen Charakter. Die Aussage kontrastiert zwei wesentliche Aspekte der menschlichen Eitelkeit: Intellekt und Moral. Ebner-Eschenbach postuliert, dass das Lob der Klugheit unser Ego stärkt, da wir geistige Überlegenheit als erstrebenswertes Machtinstrument betrachten. Im Gegensatz dazu löst das Lob einer übertriebenen moralischen Güte Unbehagen aus, da wir uns der eigenen Unvollkommenheit und der Last einer unerfüllbaren Erwartungshaltung bewusst sind. Es offenbart eine tiefe Skepsis gegenüber der eigenen Tugendhaftigkeit und die Furcht vor der Heuchelei. Heute wird dieser Aphorismus vor allem in der Psychologie und der praktischen Philosophie zitiert, um die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung zu illustrieren. Er findet regelmäßig Anwendung in Essays über Authentizität und menschliche Schwächen, da er zeitlos die Mechanismen der Selbsterkenntnis und die Ambivalenz des Stolzes thematisiert.

Marie von Ebner-Eschenbach

Schriftstellerin · Österreichisch

Marie von Ebner-Eschenbach war eine bedeutende osterreichische Schriftstellerin des Realismus, die fur ihre psychologischen Erzahlungen und scharfsinnigen Aphorismen bekannt ist.

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